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Aus der Welt der Literatur



2005-11-14
Heidenröslein (Johann Wolfgang von Goethe)

Eines der bekanntesten Gedichte Goethes, von Schubert zum Volkslied komponiert. Häufig kommt es uns aus Kindermund daher, artig vorgetragen oder ausgelassen gesungen. Gewiß, ein bißchen Mitleid mit dem Röslein schleicht sich ein, doch ist es nicht eigens zum Pflücken gewachsen? Obwohl die Dornen sich schlecht in dieses Bild fügen wollen? In der lyrischen Fachwelt besteht indes kaum Zweifel daran, daß die eher unscheinbar daherkommenden Zeilen im Grunde brachialen Inhalts sind, sie ihre wahre Aussage in beinahe munter anmutenden Versen verstecken: einem Mädchen, einer Frau wird von einem Manne Gewalt angetan.

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Sah ein Knab' ein Röslein stehn,
Röslein auf der Heiden,
War so jung und morgenschön,
Lief er schnell es nah zu sehn,
Sah's mit vielen Freuden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Knabe sprach: Ich breche dich,
Röslein auf der Heiden!
Röslein sprach: ich steche dich,
Daß du ewig denkst an mich,
Und ich will's nicht leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.

Und der wilde Knabe brach
's Röslein auf der Heiden;
Röslein wehrte sich und stach,
Half ihm doch kein Weh und Ach,
Mußt es eben leiden.
Röslein, Röslein, Röslein rot,
Röslein auf der Heiden.





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