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Aus der Welt der Literatur



2004-10-09
Leben...... (unbekannter Autor)

Der Grat zwischen Profanem und Erhabenem ist schmal. Das gilt gleichermaßen für Literarisches im allgemeinen wie Lyrik im besonderen. Bisweilen kann es guttun, einfach nur drauflos zu lesen.....

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Schaut, die Welt ist voller Freuden!
Deshalb: Keine Zeit vergeuden
mit Bereuen und Bedauern,
dem Vergang´nen nachzutrauern
oder tränenreich zu schniefen
über wehen Konjunktiven:
"Hätten können - würden - wollten
wär´gewesen - möchten - sollten.."
Nein!
Wir wollen Heit´res sinnen,
frohgemut den Tag beginnen,
keine Mördergrube machen
aus dem Herzen. Lieber lachen.

Nicht nur in die Ferne schweifen,
auch das nahe Glück ergreifen.
Nicht bloß jagen, nicht bloß hetzen,
auch mal mit dem Nachbarn schwätzen,
nicht nur eign´ne Sorgen tragen,
ihn auch mal nach seinen fragen.

Oder etwas tiefer gründen,
eine Kerze still entzünden,
auf der Dämm´rung Zauber achten,
eine Blume lang´ betrachten,
nicht mehr an den Alltag denken,
sacht den Vorhang drüber senken
und besinnlich in uns gehen,
auch den andern menschlich sehen.

Einmal durch die Berge streifen,
ein Erinnerungsliedchen pfeifen
oder still zu Hause bleiben,
fernen Lieben Briefe schreiben,
traumtief in Musik versinken,
dazu braunen Portwein trinken
oder - auf ein Buch versessen -
Welt und Zeit und Raum vergessen.

Einmal wieder Rosen streuen,
selig sich der Liebe freuen,
nicht nur als platonisch`Minnen,
nein, mit allen sieben Sinnen
alte Liebe neu entdecken,
neue Lebenslust erwecken.

Einmal alle Pflicht vergessen
(pflichtvergessen! pflichtvergessen!),
irgendwo ins Blaue fahren,
nicht nach Ziel und Wegen fragen,
Eichkätzchen im Spiel belauschen,
horchen, wie Kastanien rauschen
und im Dorfkrug Spargel essen -
Schoppen trinken. Pflicht vergessen!

Einen alten Freund besuchen:
Wiedersehen bei Tee und Kuchen,
dann behutsam mit dem andern
Straßen der Erinn´rung wandern,
mählich beim Philosophieren
alte Quellen rieseln spüren,
Fragen, welche lange schliefen,
schachten aus verborg´nen Tiefen.

Einmal wieder kräftig bechern,
lauthals singen mit den Zechern,
dann den Wagen stehen lassen,
heimwärts schwanken durch die Gassen
und den Blick, den tränenfeuchten
heben zu der Sterne Leuchten -
und so weiter, und so weiter...
Freunde, glaubt, die Welt ist heiter!
Schuld sind nur die dunklen Brillen,
düst´ren Grillen, Kopfschmerzpillen,
könnt Ihr euer Glück nicht sehen.
Ach, so leicht ist´s zu verstehen:

Ganz dem Da-sein hingegeben
einfach leben - einfach leben!
Küßt des Tages Rosenwange,
denn der Tod währt lange. Lange....



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