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14.12.2005 Pornographie

Ein neues Buch bereichert seit kurzem den deutschen Büchermarkt, geschrieben von einer Französin; demnach schien das Werk dem Verlag einer Übersetzung würdig.
Der Inhalt in Kurzform: Frau wird von einer Gruppe Männer vergewaltigt, sie bewältigt die Untat, in dem sie pro Jahr exakt achtzig unbekannte Männer in einem eigens dafür hergerichteten Zimmer um ihr Ejakulat erleichtert. Sodann verabreicht sie sich das Sperma auf höchst eigenwillige Weise: sie verfeinert ihre Gourmet-Mahlzeiten damit und setzt es auch dem Lippenstift zu. Auf diesem Wege – so die Intention des Buches – schlägt die Frau auf ihre Peiniger zurück.

Wer so die Rache einer Frau am Mann weismachen will, mag vieles wissen und verstehen, von Männern wohl kaum etwas. Mal abgesehen davon, daß die der Protagonistin zugeschriebene Art und Weise, ihr Vergewaltigungstrauma zu verarbeiten, jeder Verhaltensform von Vergewaltigungsopfern völlig widerspricht, die Geschichte geradezu aberwitzig und absurd konstruiert anmutet, so stellt sich doch die Frage, was den Verlag bewogen haben mag, ein pornographisches Buch – um nichts anderes handelt es sich – dieser Machart aufzulegen.

Die Autorin war bislang nicht sonderlich in Erscheinung getreten; mit ihrem Erstlingswerk schaffte sie nun gleich das Entree in einen der schon bekannteren deutschen Verlage.

Man würde zu gerne das Eingangslektorat des Verlags befragen, welche Manuskripte anderer Autoren weniger Aufmerksamkeit als das obszöne Buch erregten und den Weg in den Reißwolf antreten mußten.

("Schrei!" Hélène Duffau / Eichborn-Verlag)



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