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08.09.2013 Helene Hegemann und kein Ende ….. Deutsche Literaturszene … xte Folge …

Helene Hegemann, na, Sie wissen schon, das ist jene sich in der – nach eigenem Bekunden – „Intertextualität“ (übersetzt: von anderer Leute Text abschreiben, abkupfern) bestens auskennende Autorin, hat nach drei Jahren wieder zugeschlagen und ein weiteres Buch herausgebracht. Unschwer zu erraten, daß sie damit die ihr gewogenen literarischen Zirkel im Lande wieder in hellste Aufregung versetzt.

Doch irgendwie klappt es dieses Mal noch nicht so recht mit dem Aufsehen, mit der Skandalisierung und dem Bohei. Bisher blieb der Hype aus, kein Sturm auf die Bestsellerlisten, keine atemberaubenden Auflagensteigerungen im Wochentakt, wie das alles noch bei ihrem Patchwork-Geschreibsel „Axolotl Roadkill“ der Fall war.

Könnte das daran liegen, daß Hegemann dieses Mal tatsächlich selbst geschrieben hat, ohne Anleihen, ohne Abschreiben, ohne Hilfe, ohne „Intertextualität“? Denn Ernstzunehmendes schreiben kann sie nicht, das weiß, das wußte jeder, der es wissen wollte; spätestens jetzt, nach ihrem neuen Buch „Jage zwei Tiger“, dürften wohl – ausgenommen bei ihren Claqueren und Schmeichlern – letzte Zweifel an ihrem literarischen Unvermögen ausgeräumt sein.

Worüber schreibt Hegemann bei ihrem neuen Anlauf? Man sollte nicht allzu viele Worte darüber verlieren. Erneut geht es – was sonst? – um Adoleszenz, Lebensfluchten, Aufbegehren gegen die Welt und alles andere gleich auch, um Drogen, „Ritzen“, Eßstörungen, WGs, Wohlstandsverwahrlosung, Klamotten, kaputte Beziehungen, menschliche Widersprüchlichkeiten. Angestrengt, versetzt mit einem Schwall an Anglizismen, der wohl Weltläufigkeit und „Insider“-Wissen kundtun soll, formuliert sie ihre Sätze, die all das aufzählen und erzählen, was doch alle schon längst wissen, über das schon Hunderte Mal geschrieben wurde, in den allermeisten Fällen nur sehr viel besser. Besonders schlimm wird´s immer dann, wenn die Autorin mit eigenen Deutungen und Weltbetrachtungen den Leser traktiert, meist künstlich um Jugendjargon bemüht ist und die Welt mit ihren ureigenen Erlösungsphantasien und –strategien heimsucht. Das ist nicht nur nicht gekonnt, das ist zumeist nur noch peinlich.

Und nun ist sie auf Lesereise. Natürlich findet sie ihr Publikum, darunter stets auffallend zahlreiche nicht mehr ganz so junge Vertreter beiderlei Geschlechts, tüchtig auf Jung getrimmt, Abgesandte der Forever-Young-Sekte, Sendboten der Anti-Aging-Religion, die offenbar eine Prophetin, ein Medium vom Schlage Hegemanns benötigen.

Felicitas von Lovenberg, Feuilleton-Leiterin bei der "FAZ", widmet dem neuerlichen Hegemann-Versuch immerhin eine halbe Seite, die allerdings wiederum gut die Hälfte für das photographische Konterfei der Jung-Autorin hergeben muß, an dem nur der Pelzkragen etwas ins Auge sticht und irgendwie an Judith Hermann erinnert.
Nun schreibt die Feuilleton-Frau zwar einen harschen Verriß, wie er kaum deftiger ausfallen kann. Doch die Frage stellt sich, warum sich überhaupt ein derart renommiertes Blatt so ausführlich mit einem Buch befaßt, das nicht den geringsten literarischen Ansprüchen genügt. Merke: Auch Negativ-Schlagzeilen halten im Geschäft, erregen Aufsehen, sind Talkshow-Eintrittskarten. Vermutlich wird´s Helene Hegemann nach der ersten Empörung genau aus diesem Blickwinkel betrachten.







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