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05.04.2013 Intellektuelle ... xte Folge.

Wirklich hochinteressant, in welchen Deutungsmustern der Begriff „Intellektuelle“ daherkommt. Irgendwie geistert er immer wieder durch die Medien, wird zumeist – wie so viele andere Sprachschöpfungen ebenfalls – kritiklos oder sogar bestätigend ins eigene Vokabular übernommen, wird wie selbstverständlich ganz überwiegend mit dem Literaturbetrieb, mit Autoren in Verbindung gebracht, mit Kunst demnach, wobei jedoch die übrigen Kunstrichtungen, als da sind Bildhauer, Maler, Musiker, um nur die bekanntesten zu nennen, nur in homöopathischen Mengen wahrzunehmen sind.

Nun gibt es ein weiteres Buch zum Thema. „Literatur und Politik“ von Günther Rüther, erschienen bei Wallstein. Rüther, kein unbedeutendes Licht bei der „Konrad-Adenauer-Stiftung“, läßt sich darin auf 325 Seiten über das Verhältnis zwischen Literatur und Politik aus. So weit, so gut. Ein weiteres Mal beklagt jemand, daß sich die Literaten nicht genug mit dem Land, mit der Welt befassen, sprich: sich zu wenig in die Politik einmischen. Was die so Gescholtenen gegen die Unbill und Unwirtlichkeit des irdischen Jammertals, insbesondere des gesellschaftlichen, in ihrer Nähe und um den Erdball herum denn so bewegen sollen, bleibt ziemlich nebulös bis unverständlich.

Unausrottbar hält sich offensichtlich in manchen Köpfen die Auffassung, daß Schriftsteller über ganz besondere Fähigkeiten verfügen, die vorhandene Welt in eine bessere Welt zu führen. Musiker vermögen das nicht vergleichbar gut, Bildhauer und Maler ebenfalls nicht, auch Physiker, Ärzte und Wirtschaftwissenschaftler nicht, denn sie und noch eine beträchtliche Reihe anderer gebildeter Leute werden gemeinhin nicht unter dem Begriff „Intellektuelle“ subsumiert. Schriftsteller hingegen gehören quasi naturgesetzlich dazu, unabhängig davon, was sie mal gelernt, was und ob sie studiert haben, auf welche Bildung sie zurückblicken können.

Es gibt übrigens kein probateres Mittel zur Desillusion, was Format und gesellschaftspolitische Kompetenz der schreibenden Zunft angeht, als ihren Protagonisten beim Gespräch oder Vortrag zuzuhören, am besten auf einer der Buchmessen.

Allerdings begeht Rüther in seinem Buch einen unverzeihlichen Fauxpas schlechthin und stürzt seine Intellektuellen-Kaste in größtmögliche Zweifel. Denn er sagt „große Debatten in der Politik, mit der Politik und zwischen den Schriftstellern und Intellektuellen" voraus. Wie denn nun, was denn nun? Sind Schriftsteller nun doch keine Intellektuellen? Wenn sie es nicht sind, wer ist es denn dann?



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