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12.05.2009 Im Elfenbeinturm........„Europäisches Festival des Debütromans“

Da gibt es seit sieben Jahren in Deutschlands Norden jeweils im Frühjahr eine Veranstaltung namens „Europäisches Festival des Debütromans“, bei der zehn Autoren aus zehn Ländern mit ihren Erstveröffentlichungen vorgestellt werden.
So weit, so gut, sieht man einmal von der eminent wichtigen Frage ab, wer die Novizen und ihre Begleiter – Lektoren, Agenten, Verlagsvertreter – aussucht und einlädt. Darüber wüßte man gerne mehr; das offizielle Programm hält sich hier eher bedeckt.

Bei einer der begleitenden Fachtagungen ging es um „Tendenzen der Literaturkritik zwischen Print und Online“. Immerhin wurde hierzu öffentlich eingeladen, und ein Literaturprofessor aus Hildesheim trug auch wirklich Erhellendes vor. Öffentlichkeit gab es indes nicht, denn die Literaten samt Troß blieben unter sich, schmorten im eigenen Saft, drehten sich um sich selbst, sieht man einmal von „Kritikus“ ab, der sich still und unerkannt in der letzten Stuhlreihe versteckte, um den Literaturbetrieb bei der Abarbeitung des Vortragsthemas zu beobachten.

Was er zu sehen und zu hören bekam, entsetzte ihn doch mächtig. Der Professor aus Hildesheim (Dr. Stephan Porombka) fühlte sich vermutlich wie der sprichwörtliche Rufer in der Wüste, erlebte er doch wie „Kritikus“ die Reaktionen der kaum mehr als vierzig Zuhörer, die sich zwischen Ignoranz und Larmoyanz angesichts des unaufhaltsamen Sturmlaufs des Internets auf die alten Literatur-Bastionen bewegten. Lauthals wurde die virtuelle Literaturwelt beklagt und bespöttelt, ihr jegliche Kompetenz abgesprochen, über „Foren“, „Unterforen“ und deren „Unterforen“ polemisiert. Einer der Verantwortlichen der Veranstaltung führte gleich noch die gute, die seriöse Literaturkritik ins Feld, wie man sie in der „Frankfurter“ und der „Süddeutschen“ zu lesen vorfände; das sei die wahre Kritik, das seien die ernstzunehmenden Rezensionen. Einige der Autoren bastelten zumindest schon an eigenen Homepages, war zu vernehmen. Immerhin, doch der Unterschied zwischen Eigen- und Fremdwahrnehmung ist ihnen offensichtlich noch nicht in den Sinn gekommen.

Daß die Zahl der Buch-Leser abnimmt, trotz momentan noch steigender Buchverkäufe, weil die Jetzt –Leser noch mehr Bücher lesen, war an diesem Abend kein Thema. Daß vor allem junge Leser gewonnen werden müssen und dies entscheidend nur über das Internet gelingen wird, über Literaturportale und die auch an diesem Abend geschmähten Blogger, ebenfalls nicht. Da saß man lieber konsterniert auf dem eher kümmerlichen Ast und sägte inbrünstig an ihm herum.
Doch der Markt funktioniert bekanntlich ohne Sentimentalität. Die virtuelle Welt ist unaufhaltsam und nicht mit Wunschdenken fernzuhalten. Das werden die hoffnungsvollen Poeten samt Förderer noch zu lernen haben.

Im übrigen interessierte sich niemand dafür, ob vielleicht Vertreter des gescholtenen Internets unter den Zuhörern waren. Auch das ist nicht neu: Detailwissen stört meist nur.



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