Die faszinierende Welt des Wortes
Aus der Welt der Literatur
Ihr Text
Ihre Favoriten
Top-Ten der Belletristik
Buch des Monats
Kontakt
Links
Autoren-Werkstatt
Kritikus
In eigener Sache
Login



Kritikus


22.11.2006 Rechtschreibreform .......(“Lukasburger“-)Stilblütensammlung.....

Nach einem ehemaligen Münchner Gymnasium, damals noch als Oberrealschule bezeichnet, sind besonders köstliche, unfreiwillig komische Auszüge aus Schüleraufsätzen benannt, die ein Lehrer der Bildungsanstalt ab den zwanziger Jahren des vergangenen Jahrhunderts in mehreren kleinen Broschüren aufsammelte und die unter dem Begriff „Lukasburger Stilblüten“ bald landesweit bekannt wurden (über Antiquariate noch heute zu beziehen). Auch andere Schulen konnten auf einen wahren Fundus origineller Formulierungen der schulischen Nachwuchskräfte zurückgreifen und bereicherten fortan die Zitatensammlung des rührigen Herausgebers.

Soweit die Vorgeschichte. Die neue Rechtschreibreform schickt sich an, die Tradition unfreiwilligen Klamauks und deutungsschwerer Wortschöpfungen fortzusetzen. Der Kindler Verlag, mit Rowohlt liiert, läßt sich nicht lumpen und setzt die Reform offensichtlich eins zu eins um. Das führt dann zu bemerkenswerten Textpassagen, so zum Beispiel in Philippe Claudels „Monsieur Linh und die Gabe der Hoffnung“ (ein ansonsten – nun ja – erträgliches Büchlein, sofern man auch Paul Couelho gerne liest). Da packt zum Beispiel der Protagonist des Romans seinen Koffer, dem er ein Kinderkleidchen, ein Bild und „eine Hand voll Erde“ anvertraut.

Brrrrr.....da überläuft es uns doch kalt und heiß. Diesen Koffer möchten wir unter gar keinen Umständen unvorbereitet öffnen. Nicht auszudenken, wenn Kinder daran herumspielten. Wie war doch gleich der Polizeinotruf? 110 .....?

Ob alle Ministerpräsidenten der Länder samt ihrer Kultusminister, die für diese von oben herab verordnete Sprachverhunzung verantwortlich zeichnen, herauszulesen imstande wären, was es mit jener Hand auf sich hat? Kritikus beschleichen da einige Zweifel. Vermutlich ist nicht wenigen unter ihnen einerlei, ob sie eine Handvoll Blätter oder eine Hand voll Blätter mit in die Sitzung nehmen. Nach solcherart Denk- und Arbeitsweise, der Verdacht drängt sich förmlich auf, sieht die Rechtschreibreform jedenfalls aus ...........




zurück


    


Impressum