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Buch des Monats


Hier stellen wir Ihnen "Das Buch des Monats" vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sie orientiert sich auch nicht an den gängigen Publikationen über die aktuelle literarische Szene, sondern spiegelt einzig und allein die subjektive Meinung und das Literaturverständnis der Redaktion wider.

Wir werden uns zwar immer alle erdenkliche Mühe bei unserer Auswahl geben. Gleichwohl können wir nicht ausschließen, daß unser ausgesuchtes Buch des Monats nicht immer ungeteilten Beifall findet. Doch dieses Risiko wollen wir in Kauf nehmen.




Das Buch des Monats Januar 2010
Titel: Ein Lebensweg
Autor(en): Maria Beige
Verlag: Klöpfer & Meyer, Tübingen (161 S., € 17,50)
ISBN-Nr.: 3-940086-29-7

„Wenn alles gut und glatt verläuft, da weiß man nichts darüber zu schreiben“, sagte die Autorin einmal zu einer Journalistin. Und Maria Beig weiß einiges zu erzählen, zu schreiben. Aus ihrem eigenen Leben. Und als Autobiographie hat sie unübersehbar ihr dreizehntes Buch „Ein Lebensweg“ angelegt. Da sie offenbar wahrhaftig und ungeschönt über ihre oberschwäbische Heimat und deren Menschen berichtet, blieben Anfeindungen nicht aus, wurde sie gar als „Netzbeschmutzerin“ beschimpft. Sie schonte niemanden, weder Eltern noch Geschwister, am allerwenigsten sich selbst.

Viele scheuen sich, Autobiographien, „Memoiren“, zu lesen. Denn viel zu häufig gerinnen sie zu statischen, chronikartigen Aufzählungen, kommen nicht selten eher in Schulaufsatzmanier als in ernstzunehmender Literatur daher. Anders indes bei Maria Beig, die sich unverkennbar erst mit 89 Jahren überwinden konnte, ihr Leben und das der anderen Menschen, denen sie begegnete, schonungslos der Öffentlichkeit vorzulegen. Ihre in den dreißig Jahren zuvor erschienenen Romane und Erzählungen handeln ebenfalls über Land und Leute ihrer Heimat, doch über sich selbst schrieb sie so gut wie nichts. Nun brach sie das Schweigen.

Ihrer Sprache haftet wenig Poesie an, sie erzählt in knapper Form, unmelodisch, rational, bar jeder Romantik. Es gibt keine „schönen Wörter“, keine „schönen Sätze“, wie sie Ulla Hahns Protagonistin in „Das verborgene Wort“ heimlich in ihrer Kladde aufsammelte. Doch offensichtlich widerfuhren Maria Beig als siebtes von dreizehn Geschwistern ähnliche Drangsalierungen und Ausgrenzungen, wurde sie vom Vater wegen ihrer Andersartigkeit mit „bösen Blicken“ bedacht. Auch als Erwachsene mutete ihr das Leben schlimme Dinge zu. Ungewollte frühe Schwangerschaft, alleinerziehend; dem späteren Ehemann und der gemeinsamen Tochter verschwieg sie den Sohn, gab ihr Geheimnis erst durch ihren Roman preis. Mit 58 Jahren wurde sie als Hauswirtschaftslehrerin vorzeitig pensioniert, psychisch erkrankt, von Depressionen gequält, aus denen sie sich fortan durchs Schreiben, durch die Literatur, Linderung erhoffte.

Die Autorin zeigt, daß man auch in hohem Alter noch Lesenswertes zustande bringen kann; eine Tatsache, die von dem einen oder anderen Vertreter der Literaturszene schlichtweg bestritten oder geleugnet wird.

„Ein Lebensweg“ erklomm schon bald Platz 1 auf der Bestenliste des SWR, und bei diesem Erfolg wird es vermutlich nicht bleiben.


Hinweis:
Vorherige "Bücher des Monats" können Sie weiterhin in unserem Archiv einsehen.




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