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Buch des Monats


Hier stellen wir Ihnen "Das Buch des Monats" vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sie orientiert sich auch nicht an den gängigen Publikationen über die aktuelle literarische Szene, sondern spiegelt einzig und allein die subjektive Meinung und das Literaturverständnis der Redaktion wider.

Wir werden uns zwar immer alle erdenkliche Mühe bei unserer Auswahl geben. Gleichwohl können wir nicht ausschließen, daß unser ausgesuchtes Buch des Monats nicht immer ungeteilten Beifall findet. Doch dieses Risiko wollen wir in Kauf nehmen.




Das Buch des Monats April 2017
Titel: Ein Monat auf dem Land
Autor(en): J. L. Carr
Verlag: Dumont / 158 S / € 18,00
ISBN-Nr.: 978-3-8321-9835



Ein selten schönes Buch, eine Handlung, von der man kaum glauben will, daß sie sich nicht wirklich zugetragen haben soll. Mehr Novelle als Roman, nur ganze 158 Seiten stark, unscheinbar, in schlichter, gleichwohl vornehmer Aufmachung von Dumont herausgegeben, gewiß querfinanziert, denn die Verkaufszahlen werden wohl kaum die Herstellungskosten decken, wofür man dem Verlag nicht dankbar genug sein kann. Nur wenigen war J. L. Carr in
Deutschland bislang bekannt, das Buch(Originaltitel „A Month in the Country“) erschien 1980 und war sein erfolgreichstes, wurde 2016 als erster seiner insgesamt acht Romane ins Deutsche übersetzt; es ist hoffentlich nicht der letzte.

„Ein Monat auf dem Land“ erhielt im Erscheinungsjahr 1980 bereits den „Guardian First Book Award“ und kam auf die Shortlist des „Booker Prize“. 1987 wurde das Buch verfilmt.

Die Handlung spielt im Sommer 1920. Ein junger Restaurator, von den Schrecknissen des Ersten Weltkrieges gezeichnet, die traumatisch in ihm sichtbar nachwirken, erhält den Auftrag, ein jahrhundertealtes Gemälde in einer Kirche in Yorkshire freizulegen, das unter weißer Tünche verborgen ist. Unweit von ihm arbeitet ein kaum älterer Archäologe, auch als Soldat in Frankreich und von den Erlebnissen mitgenommen, der auf der Spur einer geheimnisvollen Grabstätte ist und in einem Zelt dort haust, unweit von der Kirche entfernt, in deren Glockenturm der Restaurator sein Quartier einrichtet und fortan lebt und nächtigt. In dem einsamen, dünnbesiedelten Landstrich, eben „auf dem Land“, nehmen die Menschen, einige darunter besonders intensiv, lebhaften Anteil an den Fremden und deren eigenartiger Beschäftigung.

Eine wundervolle Geschichte, erzählt in einer überwältigend schönen Sprache (und Übersetzung), die Kunst des Unterscheidens zwischen dem Berichtenswerten und dem Wegzulassenden meisterhaft beherrschend. Wo findet man das heute noch in der jüngeren Autorenschaft, wer von ihnen hat diese Fähigkeit, die man nicht lehren, die man nicht lernen kann? Es ist kein Zufall, daß seit geraumer Zeit vermehrt wieder alte Texte, jahrzehntealte Romane, deren Schöpfer längst verstorben sind, erneut veröffentlicht werden; wirkliche Romane, nicht, wie heutzutage so häufig mißverstanden, mehr oder weniger Zustandsbeschreibungen der eigenen Befindlichkeiten und Berichte über das naheliegende, den persönlichen Mikrokosmos widerspiegelnde Milieu.

Carr war Engländer, wurde 1912 geboren, starb 1994, war Lehrer, nahm am Zweiten Weltkrieg als Angehöriger der britischen Luftwaffe teil, kehrte nach Kriegsende in den Lehrerberuf zurück, widmete sich ab 1967 dann ausschließlich der Schriftstellerei.










Hinweis:
Vorherige "Bücher des Monats" können Sie weiterhin in unserem Archiv einsehen.




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