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Buch des Monats


Hier stellen wir Ihnen "Das Buch des Monats" vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sie orientiert sich auch nicht an den gängigen Publikationen über die aktuelle literarische Szene, sondern spiegelt einzig und allein die subjektive Meinung und das Literaturverständnis der Redaktion wider.

Wir werden uns zwar immer alle erdenkliche Mühe bei unserer Auswahl geben. Gleichwohl können wir nicht ausschließen, daß unser ausgesuchtes Buch des Monats nicht immer ungeteilten Beifall findet. Doch dieses Risiko wollen wir in Kauf nehmen.




Das Buch des Monats Oktober 2014
Titel: Verlangen und Melancholie
Autor(en): Bodo Kirchhoff
Verlag: Frankfurter Verlagsanstalt / 448 S. / € 24,90
ISBN-Nr.: 3627002091

Auch wenn er es schon mal mit „Die Liebe in groben Zügen“ 2012 auf die sogenannte „Longlist“ des Deutschen Buchpreises schaffte, gehört Bodo Kirchhoff zu den unterschätzten und von der einschlägigen Literaturszene eher weniger beachteten deutschsprachigen Autoren. Und dabei versteht er zu schreiben, kann noch richtig schreiben, gebildet schreiben, so wie Autorinnen und Autoren zu schreiben vermögen, die nicht nur egozentrisch auf ihren ureigensten, dabei häufig so bedeutungslosen Mikrokosmos fixiert sind, die sich nicht in „Lakonie“ flüchten, weil sie sich nicht anders auszudrücken wissen, die nur erschreckend wenig, was wirklich von Belang ist, zu Papier bringen können. Er erdreistete sich zudem noch, das System der Buchpreisverleihungen in Frage zu stellen, indem er – natürlich erfolglos – den unerhörten Vorschlag machte, künftig Literaturpreise zu vergeben, indem die Preisverleihungskomitees anonym eingereichte Texte zu bewerten haben, ohne daß sie auf irgendwelche Angaben zu Verlag, Autorin oder Autor zurückgreifen können.

Zweifellos zieht sich unübersehbar Erotik durch Kirchhoffs Werke, dazu bekennt er sich, dazu steht er, doch im Gegensatz zu den meisten seiner gegenwärtigen Kolleginnen und Kollegen der schreibenden Zunft kommt er ohne die Gossensprache aus, das pornographische Vokabular ist seinen Texten fremd.

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„Verlangen und Melancholie“ ist ein Roman über den Verlust schlechthin. Verlust der Jahre, der Liebe, der Liebefähigkeit, Verlust geliebter Menschen, in Kirchhoffs erzählter Geschichte der Verlust der Frau, die sich als Ehebrecherin das Leben nimmt, ohne zu ahnen, daß der Mann seinerseits eine Geliebte hat. Liebe und Tod, Liebe und Verrat; Liebe, die körperliche, als unentwegtes Verlangen, als unstillbarer Trieb, allgegenwärtig dem Menschen zueigen als von der Natur aus polygam veranlagtem Geschöpf.

Der als Ich-Erzähler auftretende gealterte Mann resümiert sein Leben, von Schmerz und Trauer, gleichermaßen von tiefer Dankbarkeit und Demut gegenüber der Frau gezeichnet und beseelt, mit der ihn auch jene unerklärbaren Gefühle, jene glückhaften Empfindungen verbanden, die ein auf bloße Körperlichkeit, auf animalische Triebbefriedigung reduziertes Begehren niemals schenken kann.

Sicher kein ganz neuer Stoff. Kirchhoffs Roman lebt von der Sprache, die er einsetzt, nachgerade zelebriert. Es gibt – man muß schon sehr nach ihnen suchen – nur eine verschwindend geringe Zahl deutschsprachiger Autorinnen und Autoren, die es in dem Roman-Genre, das Kirchhoff abdeckt, in Sprache und Stil mit ihm aufnehmen können. Er ist ein wahrlich großer Sprach-Ästhet, der seine Sätze nicht einfach nur so niederschreibt, sondern sie gestaltet, sie komponiert wie ein inspirierter Musiker. Sprache ist, so die versteckte Botschaft Kirchhoffs, wenn sie gekonnt eingesetzt wird, der Musik sehr nahe.




Hinweis:
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