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Buch des Monats


Hier stellen wir Ihnen "Das Buch des Monats" vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sie orientiert sich auch nicht an den gängigen Publikationen über die aktuelle literarische Szene, sondern spiegelt einzig und allein die subjektive Meinung und das Literaturverständnis der Redaktion wider.

Wir werden uns zwar immer alle erdenkliche Mühe bei unserer Auswahl geben. Gleichwohl können wir nicht ausschließen, daß unser ausgesuchtes Buch des Monats nicht immer ungeteilten Beifall findet. Doch dieses Risiko wollen wir in Kauf nehmen.




Das Buch des Monats November 2011
Titel: Die Erfindung des Lebens
Autor(en): Hanns-Josef Ortheil
Verlag: Luchterhand Verlag (591 Seiten / € 22,95)
ISBN-Nr.: 3-442-73978—3

Es heißt, wer von sich behauptet, bislang noch nie gelogen zu haben, der habe noch keine Autobiographie verfaßt. Die allermeisten dieser Selbstbetrachtungen sind das Lesen nicht wert. Zum einen, weil der Mensch in eigener Sache nicht gerade zu uneingeschränkter Objektivität neigt, er es zum anderen mit der Wahrheitsfindung – in Fortführung des Eingangssprichwortes - nicht übertreiben wird, besonders dann, wenn ihm das Gedächtnis Unerfreuliches, seiner Reputation möglicherweise Abträgliches in Erinnerung ruft.

Bei Hanns-Josef Ortheil verhält es sich anders. Er schreibt wohl wirklich über sich und sein Leben, wie es sich im großen und ganzen in den Anfangsjahren ereignet hat. Als Ich-Erzähler, noch dazu in Romanform, was eigentlich besonders mißtrauisch stimmen sollte. Doch Ortheil liest sich dennoch gut, dafür steht schon sein Leben und das seiner Eltern Pate. Mit drei Jahren verstummt er, nachdem die Mutter durch einen Schicksalsschlag die Sprache verlor, verbindet und verbündet sich mit ihr auf eine ganz besondere Weise, in einer Art symbiotischer Beziehung, beide vom Vater, vom Mann umsorgt und behütet. Doch das Leben gewährt keinen immerwährenden Schutz, dem Kind widerfährt all das, was mit behinderten Kindern überall auf der Welt geschieht, der Mutter geht es in der Erwachsenenwelt kaum besser. Doch der heranwachsende Junge schlägt sich durch, geht schließlich seinen Weg, die Familie zieht aus der als feindselig empfundenen Großstadt hinaus aufs Land, zur Ursprungsheimat, in den Westerwald. An die Stelle der Sprache tritt für das von den Lehrern unverstandene, von den Mitschülern drangsalierte, gedemütigte Kind eine Weile die Musik, bevor es nach sieben langen Jahren wieder zum Sprechen, zum geschriebenen Wort findet; beidem sollte Ortheil fortan zeitlebens verbunden bleiben. Und es mutet fast wie im Märchen an, ist aber wahr: auch die Mutter kehrt nach und nach zur Sprache zurück.

Hanns-Josef Ortheil wurde 1951 in Köln geboren, studierte Kunstgeschichte, Germanistik Philosophie, Vergleichende Literatur- und Musikwissenschaft in Mainz, Göttingen, Paris und Rom. Heute lehrt er als Professor bzw. Honorarprofessor u. a. an den Hochschulen in Hildesheim und Heidelberg. Die Liste seiner literarischen Veröffentlichungen ist inzwischen beträchtlich, von zahlreichen Preisen und Ehrungen gesäumt.

Hinweis:
Vorherige "Bücher des Monats" können Sie weiterhin in unserem Archiv einsehen.




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