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Zwei Königskinder........



- Moderator schrieb am 11.10.2007: -

Die Mehrheit der am gemeinsamen Schreiben Interessierten hat sich für den Vorschlag Nr. 4 entschieden: Ein Briefwechsel zwischen einer Frau und einem Mann, die sich in der Jugend kannten, sich liebgewannen, doch nicht zusammenfanden, weil das Leben die Weichen damals anders stellte.


Hier noch einmal kurz die Regularien zur Erinnerung:

Textmenge jeweils nicht mehr als 3 DIN A-4 Seiten
Zeit: jeweils 3 Tage
Reihenfolge unbedingt einhalten, sonst Gefahr des gegenseitigen Blockierens; das Programm reagiert hier sehr empfindlich.

Ein Briefroman besteht einzig und allein aus Briefen. Es gibt keine verbindenden oder überleitenden Texte. Aus den Briefen allein ergibt sich die gesamte Handlung.


Die Reihenfolge des Schreibens ist folgende (aus unterschiedlichen Gründen; so ist z. B. Nikki ohne PC und wird über den Moderator per Brief teilnehmen):

Wolf
Ulla
Stefanie
Alexander
Nikki

Mehr als zwei Umläufe wird es wahrscheinlich nicht geben. Doch wir werden sehen. Und nun viel Freude und Unterhaltung beim gemeinsamen "Briefwechsel".

Per Mail erhalten Sie noch das Paßwort, mit dem Sie Zugang zur "Autoren-Werkstatt" haben, nachdem Sie sich normal im "Literarischen Cafe" einloggten.







- Wolf schrieb am 11.10.2007: -



Hamburg, den 11.10.07

Liebe Marlene,

ich weiß nicht, ob es richtig ist, Dir diesen Brief zu schreiben. Mir schlägt das Herz bis zum Hals dabei. Und das nach so vielen Jahren! Ich wußte – woher ist mir entfallen –, daß Du inzwischen in München lebst. Und dann habe ich Dich, das heißt, Deine Adresse, übers Telefonbuch herausgefunden. Dabei hoffte ich inbrünstig, daß Du mit Deinem Mädchennamen dort stehst. Warum ich das hoffte, kann ich Dir nicht sagen. Vielleicht hoffte ich, daß Du unverheiratet bist oder daß Du geschieden bist oder, verzeih´ mir solche Gedanken, daß Du verwitwet bist und Deinen Mädchennamen wieder angenommen hast. Vielleicht hast Du aber auch eine Doppelgängerin in München, die genau Deinen Namen trägt. Das werde ich sicher bald erfahren, wenn die dann mir völlig unbekannte Frau hoffentlich die Verwechslung mitteilen wird.

Wieso ich überhaupt auf diese Idee gekommen bin, Dir zu schreiben, wirst Du Dich fragen. Beim Aufräumen von alten Unterlagen fand ich auf einmal eine Haarspange in der Kiste, in der einige meiner Schulsachen von damals lagen. Alte Hefte, getrocknete Pflanzen von den Schulausflügen, Urkunden von Schulwettkämpfen. Auch alte Schulbücher. Mein Gott, haben wir darin herumgekritzelt damals. Und eben dann diese kleine Haarspange. Und sofort wußte ich, daß sie von Dir ist. Du hast sie mir einmal geschenkt, nach der Schule, auf dem Hof, als wir auseinanderliefen. Am Abend habe ich sie mit ins Bett genommen, Mutter durfte davon nichts wissen. Habe daran geschnuppert. Sie roch nach Deinem Haar, hast oft Zöpfe getragen, ziemlich lange. Daran habe ich schon mal gezupft, anschließend mußte ich rasch laufen, denn Du hattest das nicht immer gern.

Doch bevor ich noch mehr schreibe, wenn Du es denn tatsächlich bist, die dieser Brief erreicht, dann gib bitte ein Lebenszeichen, damit ich weiß, daß ich die Richtige angeschrieben habe. Meine Anschrift ist Goethestr. 34 in 20095 Hamburg. Ich würde mich wahnsinnig freuen, wenn Du zurückschreibst, bin schon ganz aufgeregt. Du hattest so eine runde, große Schrift, ganz fein, und Du schriebst immer so bedächtig, doch viel sauberer als ich, hast auch weniger Fehler gemacht als ich meistens in den Diktaten. Hoffentlich kannst Du meine Schrift entziffern. Sie ist nicht besser geworden in den Jahren, eher schlechter, krakeliger.


Liebe Grüße

Maximilian






- Ulla Bach schrieb am 20.10.2007: -


Liebe Marlene,

lieben Dank für deine schnelle Antwort. Wie bin ich froh, die richtige Marlene angeschrieben zu haben. Und ich freue mich, von dir zu hören.

Du hast ja ein turbulentes und erfülltes Leben hinter und vor dir. Quirlig warst du ja schon immer. Komisch, gell, dass der Mensch im Laufe seiner Jahre so seine Eigenheiten behält und vielleicht auch pflegt? Nur kleine Veränderungen gestattet man sich, ist sich selbst immer treu. Doch dieses Vorstellung ängstigt mich manchmal schon. Ich gehe davon aus, dass auch böse Charaktereigenschaften haften bleiben. Aber ich will dich mit meinen „trüben“ Gedanken nicht langweilen.

Du bist ja eine gute Fotografin geworden. Hut ab! Du kannst sehr stolz auf dich sein. Wie bekommst du deine Arbeit und die neue Familie, die ja nicht gerade klein ist, stressfrei bewältigt? Haben dich die Kids gleich akzeptiert?

Ja, ich wohne immer noch im Reihenhaus meiner Eltern, ich habe es übernommen, als sie zu meiner Schwester gezogen sind. Sie hat sie beide bis zu ihrem Tod gepflegt. Ich vermisse meine Eltern ...
Zwischendurch lebte ich in einer kleinen, aber gemütlichen Wohnung, nicht weit weg von den Eltern und zog erst wieder ins Haus, als es frei wurde. So nach und nach renovierte ich Zimmer für Zimmer und kaufte neue Möbeln. Jetzt ist es mein Zuhause, eingerichtet nach meinem Geschmack. Nun bin ich dabei, die Schränke auszumisten. Es haben sich innerhalb kurzer Zeit wieder allerlei Dinge angesammelt, und mein Ordnungsfimmel zwingt mich geradezu, klar Schiff zu machen. Dabei habe ich die Kiste gefunden, in der unter anderem deine Haarspange lag. Die Kiste behalte ich natürlich und liegt jetzt in einer Ecke in der Schublade.

Annika war nur eine kurze Episode. Nichts Ernstes. Auch die anderen Mädchen, und es waren wirklich nicht wenige, konnten mich nicht überzeugen, in den Ehestand zu treten. Ich genoss, nein ich genieße immer noch, mein Junggesellenleben. Ich kann mich nicht binden, dafür liebe ich das weibliche Geschlecht zu sehr. J
Einsam fühle ich mich keineswegs. Ich gehe regelmäßig zum Sport, ich mache Kraftsport und Ausdauertraining, und genieße hin und wieder ein gutes Essen mit einer Frau oder meinen Freunden. Ich bin rundum zufrieden.
Zurzeit habe ich eine Freundin, mit ihr bin ich seit einem halben Jahr zusammen. Die längste Zeit, in der ich mit einer Frau liiert war, beträgt sage und schreibe zwei Jahren. Ich möchte diese Zeit nicht vermissen, wir hatten viel Schönes erlebt. Doch leider wollte sie auf einmal heiraten und Kinder bekommen. Ich fühlte mich nicht im Stande dazu. Obwohl ich sie wahnsinnig liebte. Schweren Herzens haben wir uns getrennt. Meine jetzige Freundin ist eine herzensgute Seele, sie passt äußerlich sehr gut zu mir. Meine Freunde sagen mir immer wieder, dass wir ein Traumpaar wären. Hoffentlich will sie nicht auch mal heiraten, bis jetzt hat sie keine Ambitionen hierfür gezeigt. Sie kennt meine Meinung!
Ich gebe zu, ich bin ziemlich egoistisch geworden, oder war ich das schon immer?

Marlene, ich würde gern unseren Briefwechsel aufrecht erhalten. Es macht Spaß, alte Zeit aufleben zu lassen. Schließlich war ich mal sehr verknallt in dich J

Hast du dein Hobby auch zum Beruf gemacht? Schreib mir mehr davon, ich interessiere mich sehr dafür. Du möchtest bestimmt wissen, was ich beruflich mache? Nicht lachen, ja? Ich verrate es dir. Ich bin Mathe- und Physiklehrer und unterrichte in der Realschule Kinder, die im besten Pubertätsalter!!! sind. Obwohl ich keine eigenen Kinder haben möchte, meine Schüler liebe ich und kann gut mit ihnen umgehen. Sie haben Vertrauen zu mir und haben mir oft bestätigt, dass sie gern in meinen Unterricht gehen. Also, was will ich mehr?
Meine Freundin ist eine Arbeitskollegin, sie unterrichtet Deutsch und Geschichte. Sie lebt mit ihrem geschiedenen!!! Mann unter einem Dach. Warum das so ist, werde ich dir vielleicht mal später erzählen. Kinder hat sie keine, sie hat ihre Schüler, sagt sie immer. Das reicht ihr.

Solltest du mal irgendwie Zeit und Lust haben, ich würde mich sehr freuen, wenn wir uns mal treffen könnten. Über alte Zeiten reden, lachen, klönen, was weiß ich noch alles. Doch bis dahin – wie gesagt – ich freue mich über jeden Brief von dir.

Sei lieb von mir gegrüßt, tausendfach umarmt, liebe Grüße an deine Familie,

dein Maximilian







- Stefanie schrieb am 22.10.2007: -

Hi Max,
Es ist grade mal 5 Uhr in der Früh und ich halte schon deinen Brief in der Hand. Gestern kam ich nicht mehr dazu, doch nun sitze ich schon m Pc und schreibe. Ich könnte dir 20 Briefe schreiben, was ich mache und wo und wie ich lebe, doch wäre dies gut? Wäre es wirklich die Wahrheit?
Ich überlegte recht lange, wann ich dir wohl diese Haarspange gegeben haben soll und ich muss gestehen, ich weiß es nicht mehr, doch ich erinnere mich an viele andre Dinge. Je mehr ich von dir lese um so mehr schwelge ich in dieser Erinnerung, als du noch für mich greifbar warst. Ja, Max, das waren noch Zeiten in denen wir uns lange anschauten und die Schmetterlinge in der Bauchgegend fühlten, doch ich war zu stolz um mich vor den Freundinnen zu outen, dass ich in dich verschossen war.
Ich muss zugeben, dass ich dich sehr gemocht habe und nun ja, vielleicht hatte ich dich tatsächlich geliebt, doch damals war es mir einfach nicht möglich dies zu sagen.
Ich denke nur an jenen Tag zurück, als wir am Abend weg waren und danach noch zu diesem, ich weiß nicht mehr genau, Pet war glaube ich sein Name, gingen. Bei ihm hatten wir einen riesen Spass und die Nacht am Lagerfeuer war echt super romantisch. Ich glaube sogar, dass dies der romantischte Abend in meinem Leben war, denn du warst da.
Ja, Max ich werde es nie vergessen, als ich mit dir vom Feuer aufstand und an den kleinen Teich lief. Die Nacht war frisch und kühl, doch mein Blut erhitzte sich in diesen Stunden und hielt mich warm und deine Stimme klang so weich, fast wie im Traum. Ich werde auch nie deine weiche Hand vergessen, die mich berührte und du mit deinen Lippen ganz nah an mein Ohr kamst. Noch heute jagt es mir einen Schauer über den Rücken, wenn ich daran zurück denke.
Oder meinst du das ist nur die Erinnerung, die ich mir nun zusammenspinne, weil ich hier im totalen Stress stehe?

So, ich muss nun erst mal arbeiten und dann mit den Kinder was unternehmen -

Die Uhr zeigt nun 23:30 Uhr und ich bin wie so oft noch nicht im Bett. Ich sitze hier an meinem Pc und denke an dich. Stell dir vor, ich habe sogar ein altes Klassenbild heraus gekramt. Das mit dem seltsamen Lehrer Römer, der so schrecklich lispelte. Ich musste grade schmunzeln, ja sogar lachen, als ich das Bild in den Händen hielt.
Max, du warst ein süßer Junge und auch jetzt kribbelt es überall, wenn ich dies Bild anschaue. Meine Finger gleiten über das schon etwas matte Papier und ich denke, ich habe dich wirklich geliebt, doch was schreibe ich hier eigentlich. Es ist ohnehin nicht das was wichtig ist.

Lieber Max, ich steh immer unter Strom, hänge mit den Aufträgen hinter her und ja ich habe die Fotografie zu meinem Beruf gemacht und bin sehr gefragt. Auch bei den Bildern, die ich bearbeite, kann mir so schnell niemand das Wasser reichen. Ich habe in dem Haus hier, ein recht großes Büro eingerichtet und arbeite fast nur von zuhause aus. Im Keller habe ich ein kleines Studio eingerichtet. So kann ich immer hier sein, auch wenn die Kinder mal krank werden sollten.
Mein Name steht in vielen Zeitschriften und ich bin oft auf Ausstellungen unterwegs und doch bin ich nicht zufrieden und versuche immer wieder in Büchern in der Musik abzutauchen, da ich sonst nicht leben könnte.
Weißt du Max, mein Leben bestand immer nur aus Flucht und Kampf und so wie ich von Stadt zu Stadt gezogen bin, so sind doch meine Probleme mit mir gegangen. Sie hängen an mir wie die Klette am Fell des Fuchses. Ich weiß oft nicht, wie es weitergehen soll und die Kinder und Paul, sind doch ab und an recht anstrengend.

Ich muss mir einen Tee machen gehen –

Ich sitze noch immer am Pc. Die Uhr schreit schon 4:30 Uhr und meine Arbeit wird nicht weniger. Eigentlich sollte der Entwurf bis morgen früh fertig sein, doch ich sitze hier und denke über dich und mich nach. Wie denn wohl alles so gekommen wäre, wenn – doch eigentlich ist es echter Blödsinn sich darüber Gedanken zu machen.
Aber jetzt riskiere ich mal was: Ich riskiere, Dich zu lieben. Einfach mal so, per Schrift und in diesem Brief. Vermutlich laufe ich nun ins offene Messer.
Oder, um mal bei der Metapher vom Schiffbruch zu bleiben: Entweder gehe ich jetzt mit dem Kahn unter oder ich springe in Dein Boot. Du wirst mich irgendwo hinbringen, wo ich noch niemals war. Vermutlich setzt Du mich auf so einer paradiesischen Trauminsel ab ... und nach kurzer Zeit sitzt Du in Deinem Rettungsboot und fährst davon. Und ich sitze da ...
Oh Max, ich weiß nicht was mich nun so bewegt, dir das alles zu schreiben, doch ich möchte dir nochmals sagen: Ich liebte dich schon immer und mir wird erst jetzt bewusst, dass ich damals einen schweren Fehler gemacht habe, nämlich dir dies nicht zu sagen und nun? Nun sitze ich an Land und in Gedanken überspült mich eine Liebes-Tsunami, in der ich wohl zur Zeit nur mitschwimmen und zusehen kann, dass ich nicht untergehe. Wo und ob es mich an Land spült, sehe ich noch nicht.

Lieber Max, vielleicht darf und sollte ich dir dies alles nicht schreiben, doch ich musste es tun, denn ich hatte dich nie vergessen. Niemals.

Ich geh jetzt zu Bett und werde den Brief hier gleich zumachen, denn wenn ich ihn morgen nochmals lese, werfe ich ihn wohl weg, weil ich ihn als schwachsinnig betrachte.

Liebe Grüße von deiner früheren Liebe Lene

Anbei noch die Kopie, von einem Bild, auf dem du und ich zu sehen sind. Es war wohl das letzte Bild, das von uns beiden entstanden ist.






- Nikki schrieb am 13.11.2007: -


München, 13. November 07


Lieber Maximilian,

so schnell vergeht also die Zeit. Es ist etwas mehr als ein Jahr her, daß Dein erster Brief mich erreichte. Ganze zwölf Monate dauert unsere Korrespondenz nun schon – Mißverständnisse eingeschlossen. Wir stellten fest, manche Dinge gemein zu haben, in manchen verschiedener Meinung zu sein. Nun denn, lernen wir uns als erwachsene Menschen kennen.

Ich hoffe, die Berliner Luft war gut. Ich stelle es mir sehr stressig vor, mit einer Horde pubertierender Halbwüchsiger loszuziehen. Pauls drei Rangen sind noch nicht ganz so weit, aber es ist oft genug anstrengend mit ihnen. Da er viel im süddeutschen Raum unterwegs ist und auch am Wochenende oft bis spätabends in seinem Arbeitszimmer unterm Dach sitzt, bleibt es an mir, die drei zu betreuen. Damit mir dies einfacher ist, habe ich neben meinem Kellerstudio ein Spielzimmer eingerichtet. Nun ja, so ist das eben, wenn man sich in einen Mann mit Anhang verliebt. Eigene Kinder habe ich nicht gewollt. Die vielen schönen Reisen, die mein Berufshobby mit sich bringt, wollte ich nicht aufgeben, und Kilian ist eh nie ein Familienmensch gewesen. Uns genügte es, ab und an die Kinder seiner Schwester zu verwöhnen. Seit Kilians Tod habe ich sie jedoch nicht mehr gesehen.

Die Zeit seit Deinem letzten Brief habe ich für einen Auftrag in London genutzt. Paul war in Österreich und seine Kids bei der Oma in Passau. Daher konnte ich die vier Tage richtig genießen. Es ist für mich immer wieder aufregend, diese pulsierende Metropole zu besuchen. Mein Lieblingslatz ist der Piccadilly Circus. Dort richte ich es mir gemütlich ein und beobachte die Leute. Dort entstehen auch viele meiner Momentaufnahmen von Menschen aller Couleur. Am letzten Tag habe ich mir noch eine neue Frisur bei Tony & Guy gegönnt. Nach meiner kindlichen Zopferfahrung wechsle ich öfter mal meinen Look. Paul mag es zwar nicht – eigentlich ungewöhnlich für einen jungen Mann (er ist 16 Jahre jünger) –, aber bitte. Er wird damit leben müssen Immerhin habe ich mich ja auch auf seine Familie eingelassen (müssen).

So, jetzt habe ich Dir, kurz und bündig, ein bißchen was über mich erzählt. Vielleicht schreibst Du mir von Deiner Klassenfahrt. Da kann ich eventuell gleich ein paar Tricks im Umgang mit Kindern abstauben. Pauls sind zwar noch nicht in der Pubertät, aber dafür ein quirliges Trio – fast wie diese drei Enten von .....ach ja, Disney.

Liebe Grüße.....
ach, darf ich das überhaupt so formulieren?
Auf jeden Fall viele Grüße
Marlene









- Wolf schrieb am 19.11.2007: -


Hamburg, 19. November 2007


Liebe Marlene,

endlich, endlich.......ein Brief von Dir! Du hast Dir so viel Zeit gelassen. Ein ganzes Jahr! Ich sprach zwar davon, daß ich eine Klassenfahrt nach Berlin machen werde und Du Dir deshalb etwas Zeit lassen kannst. Doch daß Du gleich so lange schweigen wirst, hatte ich nicht erwartet. Wenn ich Dich allerdings mit meiner Kontaktaufnahme nach so vielen Jahren so sehr überrascht habe, daß Du einige Zeit zum Nachdenken über uns beide benötigst, dann will ich versuchen, es zu verstehen. Du glaubst nicht, wie sehr ich auf Deinen Brief gewartet habe!

Marlene, versteh´ mich bitte nicht falsch. Ich will mich nicht in Dein jetziges Leben drängen, will Vergangenes nicht ändern, was ja ohnehin nicht geht. Die Weichen wurden damals, warum auch immer, für uns beide anders gestellt. Und die Jahre, die inzwischen vergingen, können wir nicht zurückholen, sie nicht neu leben. Doch irgendwie bist Du mir nie ganz aus dem Kopf gegangen. Irgend etwas zog mich schon damals zu Dir hin, und ich glaube, das ist auch heute noch so. Und das, obwohl ich nicht weiß, wie Du heute aussiehst. Und Du weißt das auch nicht von mir. Doch für mich kann ich sagen, daß meine Gefühle, wenn ich sie einmal entwickelt habe, dauerhaft sind, ganz gleich, was geschieht oder geschehen ist. Wen ich mal mochte, gar liebte, den mag ich auf immer. Hört sich theatralisch an, ist aber so bei mir. Also, Marlene, ich glaube, daß ich immer noch die Gefühle von damals für dich hege, nein, ich glaube es nicht nur, ich weiß es, ich spüre es. Vielleicht geht es Dir ja ähnlich. Und wenn ich Deinen zweiten Brief lese, dann sieht es ganz danach aus.

Könntest Du Dir vorstellen, daß wir uns bei passender Gelegenheit – vielleicht hast Du beruflich mal in Hamburg zu tun – treffen? Einfach so? Sich wiedersehen, mal wieder miteinander reden? Erinnerungen austauschen? Die Jahre gehen so dahin, manchmal packt mich fast Panik, was man alles versäumt, was man alles noch machen müßte.

Bitte laß´ mich Deine Meinung hierzu wissen. Und laß´ mich bitte nicht wieder so lange auf Deine Antwort warten, bitte.


Liebe Grüße (ja, Du darfst nicht nur, Du mußt diese Formulierung verwenden) aus dem hohen Norden von

Deinem Maximilian






- Ulla Bach schrieb am 01.12.2007: -
München, 01.12.07


Liebe Marlene,

du hast dich bestimmt schon gewundert, warum auf dem Kuvert keine Briefmarke geklebt war und ich statt Hamburg München vor dem Datum geschrieben habe.
Dafür gibt es eine einfache Erklärung: ich bin zurzeit (nur für ein paar Tage) in München und habe ein Zimmer im Hotel Ibis, direkt am Bahnhof. Und den Brief habe ich eigenhändig in deinen Briefkasten gelegt.
Warum habe ich nicht bei dir geklingelt und einfach „Hallo“ gesagt? Ich wollte dich nicht überfallen. Wenn du mich sehen möchtest - ich hätte nichts dagegen ;-) – ruf mich einfach an. Die Telefon – Nummer steht auf der Rückseite des Kuverts. Übrigens, du hast ein schönes Haus.
Dass ich dich nicht überfallen wollte, ist nur die halbe Wahrheit. Ich will dich sehen, nicht deine Familie. Will mit dir in Ruhe reden, lachen, erzählen. Ohne Störungen.
Ich weiß, mein Egoismus tritt wieder voll in Erscheinung. C’est la vie.

Was mache ich in München? Ein schulisches Projekt machte es wahr, für ein paar Tage aus Hamburg zu entfliehen. Ich muss gestehen, München ist eine sehr schöne, warmherzige, interessante Großstadt. Es gefällt mir hier sehr gut. Wenn es die Zeit zuließ, besuchte ich so manche kulturelle Stätte, darunter auch das Hofbräuhaus ;-) Außerdem schloss ich mich einer Gruppe an, die sich von einem Reiseführer die Stadt per Bus zeigen ließ. Auf gut Deutsch: ich machte eine Stadtrundfahrt. War interessant und lustig. Ging über 3 Stunden. Was habe ich fotografiert! Ein Japaner ist da ein Waisenknabe im Vergleich.

Marlene, ich würde dich gerne sehen. Das ist bei mir zu einer fixen Idee geworden. Keine Angst, ich will nichts von dir ;-) Will dich nur sehen, mit dir erzählen und nicht nur schreiben. Wenn ich schon in München bin, ...
Apropos: warum hast du mich nicht in Hamburg besucht, als du oben bei uns warst? Ich hätte mich wahnsinnig darüber gefreut.

Mach dich von deiner Familie ein paar Stunden frei, komm zu mir, wenn nicht ins Hotel, dann in das Restaurant gleich nebenan. Du müsstest mich eigentlich erkennen, auch ich habe mich nicht sonderlich verändert. Bin nur erwachsener geworden. Trage jetzt eine Brille und ich habe noch meine volle Haare, zum Glück. Schlank bin ich seit eh und je.

Ich freue mich auf deinen Anruf.

Ich grüße dich ganz lieb und fühle dich von mir umarmt, dein

Maximilian



- Nikki schrieb am 08.12.2007: -


Hamburg, 05.12.07

Liebe Marlene.

Ich stehe nicht am Bahnsteig, sondern habe Dir diesen Brief hinterlegen lassen – verzeih, es ist so einfacher für mich.
Du schreibst, bei Dir geht alles den Bach runter, Du schreibst, Du sitzt auf gepackten Koffern, Dein Zug fährt morgen in der Frühe, also heute. Marlene, das alles ist sehr knapp und kommt mir wie eine Flucht vor.
Du schreibst von einer gemeinsamen Nacht. Ja, wir haben sie zusammen verbracht, uns von alten Zeiten erzählt, wir sind Essen gewesen, aber sind wir uns auch so nahe gekommen, dass wir von Liebe sprechen können? Ich denke nicht. Ich weiß noch immer nicht viel mehr über Dich, als bis zum Finden der Haarspange. Hätte ich geahnt, was ich damit auslöse …
Liebe Marlene, bitte versteh mich. Ich bin zurzeit gebunden, glücklich gebunden, so darf ich sagen. Deine Schwierigkeiten mit Deinem Lebensgefährten bedaure ich sehr, doch sie sollten Dich nicht übereilt handeln lassen. Du bist doch die Ältere, Vernünftigere. Freilich, er ist sechzehn Jahre jünger und hat drei Kinder mit in die Beziehung gebracht. Du schriebst einmal, Dein Verhältnis zu den Kindern sei gut, aber ich las irgendwie heraus, dass sie Dir viel abverlangen (um es mal vorsichtig auszudrücken). Du tatest Dich ein wenig schwer, auf sie einzugehen und hofftest auf Tipps und Ratschläge. Wenn ich jetzt Deinen Brief lese, dann habe ich den Eindruck Du flüchtest vor der Verantwortung.
Marlene, es würde eine Flucht ins Chaos. Die Kinder würden nicht verstehen, warum Du gegangen bist, Dein Lebensgefährte vermutlich auch nicht. Sprich lieber nochmal mit ihm. Ein einziges Gespräch wird es nicht richten – und seit wann wirfst Du die Flinte vorschnell ins Korn?
Sollte ich in Dir Begehrlichkeiten geweckt haben, so tut mir dies sehr leid. Ich wollte Freundschaft, keine Beziehung. Ich vermute, das war Deine Intention. Der Kuss vor dem Hotel, nun er war freundschaftlich.
Liebe Marlene, ich werde nicht zum Hotel kommen, nicht eine Aussprache herbeiführen, die unnötig ist. Es gibt nichts auszusprechen zwischen uns. Ich mag Dich sehr, liebe Dich auf eine gewisse Art sogar, aber niemals kann ich ein fester Bestandteil Deines Lebens werden.
So leb denn wohl und verzeih, dass ich Dein Leben so durcheinander brachte.

Maximilian





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