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Die Rettungsinsel



- Moderator schrieb am 12.02.2007: -

An dieser Fortsetzungsgeschichte, bei der es sich vom Grundsatz her um einen dialoggeprägten Text handeln soll, schreiben in der alphabetischen Reihenfolge ihrer Namen:

Ulla
Wolf
Yalom

Es gelten einfache Regularien:

1. Nicht mehr als 3 Seiten
2. "Arbeitszeit": jeweils 3 Tage

Im Neuland "Dialog-Text" können durchaus weniger als drei Seiten mitunter die bessere Lösung sein.

Wieviel Runden für die Fortsetzungsgeschichte zum Zuge kommen, hängt von ihrem Fortgang und Verlauf ab. Der Moderator wird sich hier im Bedarfsfall einschalten.






- Ulla Bach schrieb am 18.02.2007: -

Nele: „Nun gut, ich erzähle eine Geschichte. Doch wir sollten uns abwechseln, ja? Bevor ich anfange, was ist hier an Notfallproviant hier? Wie lange reicht Wasser und Nahrung aus?“

Moritz: „Moment, ich schau mal. Wenn wir genügsam sind, reicht das bestimmt für ein paar Tage. Da, schau mal, sogar ein Schweizer Taschenmesser ist dabei. Ach, ich wird verrückt, da ist noch ne Leuchtpistole und da, da sind auch mehrere Patronen. Die haben ja an alles gedacht. Und ein Verdeck gegen Regen und Sonne. Das bauen wir auf, bevor es dunkel wird, denn falls es kalt wird, gibt das auch ein wenig Schutz. Hoffentlich ist eine Beschreibung dabei.“

Nele: „Komisch ist nur, dass man von den anderen Passagieren nichts mehr sieht. Sind wir bereits so weit abgedriftet? Hoffentlich finden uns die Rettungsmannschaften. Hast du dein Handy dabei? Nicht? Ich auch nicht. Liegt in meiner Koje. Sag mal, sind auch Decken da?

Moritz: „Ja, ein paar sogar. Die werden wir heute Nacht gebrauchen, besonders du in deinem Strandkleid. Ich bin da ein bisschen besser dran mit meinem Trainingsanzug.“

Nele: „Badeanzug und Strandkleid. Aber was anderes: ich glaube, mit dem Verdeckaufbau geht’s einfacher. Man braucht doch nur an diesem Faden zu ziehen und schau, schon bläst sich das Ganze auf. Hast nicht aufgepasst bei der allgemeinen Übung, den wir gleich am ersten Tag auf Deck absolvieren mussten?“

Moritz: „Ich war dabei, aber meine Augen waren woanders.“

Nele: „So, wo denn?“

Moritz: „Ein Kavalier genießt und schweigt.“

Nele: „Eigentlich müsste man doch die ersten Hubschrauber hören. Ich versteh das nicht. Die auf dem Festland müssen es doch gemerkt haben, dass ein Schiff gesunken ist.“

Moritz. „Hm, keine Ahnung. Komm setz dich her, wir sollten uns ein wenig ablenken. Fang deine Geschichte an, bevor bei mir wieder die Panik aufsteigt.“

Nele: „Ja, du darfst deinen Arm um mich legen. Pass auf, ich fange an. Es ist mehr ein Rätsel als eine Geschichte. Eines Tages bekommt eine Nonne, die zurückgezogen in einem Kloster wohnt, Besuch von einem etwas älteren Herrn. Sie unterhalten sich sehr angeregt, obwohl die Nonne unter ihresgleichen als sehr schüchtern und still gilt. Zum Abschied küsst die Nonne den Mann ganz sacht auf den geschlossenen Mund. Das wird beobachtet und später wird die Nonne von der Oberin zur Rede gestellt. Daraufhin meint die Nonne, dass sie ein Anrecht hätte, diesen Mann zu küssen. Warum? Ja, weil:
Dieses Mannes Mutter ist meiner Mutter Schwiegermutter.
Die Oberin stutzt, lächelt und lässt die Nonne ohne weitere Strafe in ihre Kammer gehen.

So, weißt du es, in welchem Verhältnis die Nonne zu diesem Mann stand?“

Moritz: „Moment bitte, diesen Spruch muss ich mir noch mal durch den Kopf gehen lassen.
Dieses Mannes Mutter ist meiner Mutter Schwiegermutter??? Hm, ist nicht leicht. Hm, hm, hm. Dieses Mannes Mutter ....“
Ich komme nicht drauf. Verrätst du es mir?“

Nele: „Ach Moritz, das ist doch ganz leicht. Ihr Vater war es gewesen, der sie im Kloster besucht hat.“

Moritz: „Ihr Vater? Ja, wenn man es weiß, ist es ganz logisch. Ihr Vater! Ich hab zwar noch keine Kinder, aber ich stelle es mir schrecklich vor, wenn ein Kind ins Kloster geht, oder?“

Nele: „Was ist daran so schrecklich?“

Moritz: „Ich will nicht sagen, dass ich nicht gläubig bin, aber wenn mein Kind ins Kloster geht, ist es für mich verloren. Es hat einen anderen Vater, hat ein Leben, von dem ich nix verstehe. Es hätte ja eine andere Weltanschauung als ich. Ob ich mich mit dieser Situation abfinden könnte, glaube ich kaum.“

Nele: „Wir sollten schauen, dass wir das Verdeck herrichten und dann hätte ich nichts dagegen, ein wenig zu essen und zu trinken bevor es dunkel wird. Ist auch ne Taschenlampe da?“

Moritz: „Ja.“

Nele: „Was ja?

Moritz: „Ja, Taschenlampe ist da. Ja, ich ziehe jetzt die Leine und ja, ich habe auch Hunger und Durst.
Wow, das Verdeck steht! Ging schnell, gell? Da hast du eine Scheibe Brot und Hartwurst. Guten Appetit wünsche ich dir.“

Nele: „Lass nur, du brauchst das Wasser nicht in den Becher zu schütten. Ich trinke direkt aus der Notfallflasche, wenn du nichts dagegen hast. Wenn du schon eine Trillerpfeife um den Hals hängen hast, hast du dann auch zufällig einen Stift dabei? Trillerpfeife???????? Mensch, das ist ja super. Wir trillern bis Hilfe kommt, wie bei dem Film Titanic. So eine Trillerpfeife hat der Rose das Leben gerettet.“

Moritz: „Ha, ha, ha, ha. Die Trillerpfeife habe ich für das Training an Deck gebraucht. Dass die nicht verloren ging, wundert mich schon. Moment, ich schau mal in meiner Hosentasche nach. Nein, da ist nichts.“

Nele: „Wie viele Flaschen sind insgesamt vorhanden? Vier in dieser Größe wie diese in meiner Hand? Dann gehören zwei dir und zwei mir. Dann brauche ich keinen Becher. Mit dem Becher fangen wir Fische, ha, ha, ha, ha.“

Moritz: „Schmeckt’s dir?“

Nele: „Ja. Habe auch großen Hunger. Warum isst du nichts?“

Moritz: „Mir ist der Hunger vergangen. Ich möchte nach Hause.“

Nele: „Ach, Moritz. Ich auch. Komm erzähl von deiner Familie. Von deinen Eltern und Geschwistern. Hast du noch Eltern? Ja? Und Geschwister? Noch zwei Brüder? Toll. Dann fang mal an, dabei decken wir uns zu, legen und hin und lassen die Sonne in Ruhe untergehen.“







- Wolf schrieb am 21.02.2007: -

„Ich kann jetzt nicht erzählen, Nele. Was soll ich Dir erzählen? Bald kommt die Nacht. Nichts zu sehen von Schiffen oder Suchflugzeugen.“

„Na, was über dich, Moritz. Wo du herkommst, was du so machst und so was.“

„Ich wohn´ in Hamburg, bin da aber nicht geboren. Weißt du eigentlich, wie kalt es nachts auf dem Wasser wird, hier auf dem Atlantik? Mir hat´s mal einer erzählt, den sie nach zwei Tagen rausgefischt haben. Er sagte, was Schlimmeres gibt es nicht.“

„Sie müssen uns doch finden, Moritz, die haben doch bestimmt noch die Position irgendwo hingefunkt.“

„Das haben sie bestimmt. Doch wir sind inzwischen wahrscheinlich mächtig abgetrieben worden. Der Wind hat stark zugenommen, eine ganze Zeitlang schon. Wer weiß, wo die uns suchen werden.“

„Sie müssen uns finden. Das gibt´s doch nicht, daß sie uns nicht bald finden.“

„Den, von dem ich erzählte, haben sie erst nach zwei Tagen gefunden, halb erfroren. Der halluzinierte schon, erzählten die Leute, die ihn rauszogen.“

„Du machst mir Mut. Sag´ mal, kannst du mir nichts anderes sagen als so was?“

„So ist die Sache nun mal. Warum schönreden. Ein bißchen fahre ich ja schon auf dem Schiff, da gibt es Leute drauf, in der Mannschaft, die von der Handelsschiffahrt kommen. Die können dir noch ganz andere Sachen erzählen. Da gab es Fälle, wo Leute eine ganze Woche im Rettungsboot waren. Am Ende standen welche auf und wollten übers Wasser gehen, an Land gehen, einfach so. Sie haben das Land gesehen, mit stieren Augen, haben draufgezeigt. Sind einfach aufgestanden, haben einen Schritt getan, über die Bordwand, und waren weg, gingen unter, tauchten nicht mehr auf.“

„Hör´ auf! Hörst du? Hör auf mit solchen Geschichten. Willst du uns beide hier verrückt machen? Hör´ auf mit diesen Schauergeschichten!“

„Das Schlimmste, was du machen kannst, ist Meerwasser trinken. Selbst wenn der Durst dich wahnsinnig macht, niemals Meerwasser trinken. Das ist das Ende dann, es bringt jeden um.“

„Verdammt noch mal, Moritz, willst du endlich aufhören mit diesem Zeug. Spinnst du? Was soll das?“

„Wenn´s aber stimmt? Damals, als die Pamir sank und nur drei oder vier überlebten, war´s so. Nur die überlebten, die kein Meerwasser getrunken hatten. Alle anderen in den Rettungsbooten hatten Meerwasser getrunken, gingen nach drei oder vier Tagen über Bord, sie gingen einfach los, hatten eine Fata Morgana gesehen, Land, Bäume und so was. Das haben sie phantasiert, bevor sie losgingen, ins Wasser sprangen. Da ist es besser, den eigenen Urin zu trinken als Meerwasser. Aber am besten, man kann Regenwasser auffangen.“

„Dreh´ nicht durch! Muß ich dir als Frau das sagen? Was wir hier an Trinkwasser haben, reicht für uns zwei bestimmt einige Tage. Sieh´ dir die großen Flaschen an. Wahrscheinlich gibt´s noch mehr davon, wenn wir mal suchen. Die Rettungsinsel ist doch für viel mehr Menschen gedacht als nur für uns zwei. Ich verstehe sowieso nicht, wo all die anderen Passagiere geblieben sind. Vielleicht sind viele ...........“

„Hast du nicht ordentlich Wasser geschluckt, bevor ich dich reinziehen konnte? Das war Meerwasser! Du hast Meerwasser getrunken! Hörst du? Das war Meerwasser.....!“

„Ja, das war´s. Aber ich hab´ ja mit Trinkwasser gespült inzwischen, hab´ doch nachgetrunken. Meinst du, damit ist das nicht vorbei, ich meine, die Sache mit dem Salzwasser?“

„Kann sein, hoffentlich ja. Die Sonne geht gleich unter. Brrrr.....mir wird jetzt schon kalt. Da kommt nichts mehr heute, da kommt kein Flugzeug mehr. Und Schiffe können noch keine da sein, wir sind viel zu weit draußen. Die brauchen Tage, um herzukommen.“

„Ich bin nicht durstig, spür´ keinen Durst. Das mit dem Meerwasser ist bei mir nicht kritisch, Moritz. Ich müßte dann doch bestimmt sehr durstig sein, oder?“

„Ja, kann sein, kann sein.“

„Ich werd´ mal nach den Decken sehen. Es wird wirklich schon kühler.“

„Es hat Fälle gegeben, da waren Leute wochenlang in Rettungsbooten. Da gab es Kannibalismus .......“

„Halt deinen Mund, Moritz, halt´ deinen verdammten Mund......“

„.....die haben keinen von sich umgebracht. Doch als welche starben, haben sie was davon gegessen, waren wohl große Rettungsboote, mit ´ner Kochstelle. Die haben von den Weichteilen ....“

„Moritz! Halt´ die Klappe, halt´ dein verdammtes Maul. Willst du uns beide in den Wahnsinn treiben?“

„Schrei´ nicht so. Es ist so gewesen, stand sogar in Zeitungen. Einer, der überlebte, hat sogar beschrieben, wonach so was schmeckt.“

„Hier, nimm die Decke. Da, noch eine. Es sind genug Decken für uns da. Und höre bitte endlich auf mit diesen Schauergeschichten.“

„Als wir schon ´ne Weile trieben, haben noch ein paar im Wasser geschrieen. Einer hat noch versucht, hinter uns herzuschwimmen. Doch er hat´s nicht geschafft. Ging dann unter. War gar nicht mehr so weit zu uns. Doch die Kälte ist´s, die macht dich fertig. Genügen ein paar Minuten.“

„Wie schnell das dunkel wird, Moritz. Am besten, wir lassen die Plane nach vorne offen, was meinst du?“

„Wir können froh sein, daß wir gleich an der Rettungsinsel waren. Sonst wär´s mit uns auch vorbei gewesen, ganz bestimmt. Und wenn ich dich nicht reingezogen hätte, wärst du jetzt hin. Weißt du das? Weißt du das?“

„Ich weiß es, Moritz, und darüber reden wir auch noch, wenn wir das hier überstanden haben. Vielleicht kann ich dir ja schon hier was zurückgeben, wer weiß, was noch auf uns wartet. Ich habe ein anderes Problem jetzt.“

„Was denn?“

„Ich muß mal, ganz einfach.“

„Wie, ich muß mal?“

„Herrgott, ich muß mal austreten. Das wirst du auch noch müssen. Und dann? Hier gibt´s kein WC. Oder siehst du eins?“

„Nee. Jetzt, wo du es sagst, spüre ich auch Druck. Was machen wir denn jetzt. In´s Wasser gehe ich dafür jedenfalls nicht. Auf gar keinen Fall.“

„Vielleicht gibt´s hier Schöpfeimer oder so etwas Ähnliches.“

„Ja, dort liegt ein Plastikeimer. Sieht mehr wie eine Schöpfkelle aus, zum Rausschippen von Wasser.“

„Es hilft nichts. Dreh´ dich um, Moritz, schau´ nicht her jetzt, klar?

„Ja doch. Ist schon gut.“






- Yalom schrieb am 25.02.2007: -

„Hmm, wo bin ich. Was…was ist das? Moritz. Moritz, wach auf ein Hubschrauber! Moritz!“

„Was?“

„Ein Hubschrauber! Schnell die Leuchtpistole. Moritz!“

„Wo denn? Nele…“

„Hörst du nicht? Verdammt.“

„Nele, da ist kein… Nele. Gib mir die Leuchtpistole! Da ist kein Hubschrauber.“

„Doch, doch…“

„Du hast… geträumt…Nele, lass die Leuchtpistole…gib sie her.“

„Nein!“

„Gib schon…. Nicht schießen! Nele! (Peng)
Spinnst du? Du hast ein Loch in das Verdeck geschossen und meine Haare angesengt! Das hätte auch schief gehen können.“

„Tut mir leid, ich..“

„Ja, ja tut dir leid. Wenn es jetzt regnet, und die Kälte. Wie kommst du nur darauf hier rum zu schießen?“

„Ich dachte ich hätte einen Hubschrauber gehört. Ehrlich. Muss wohl.. ich muss wohl geträumt haben. Zeig her, deine Haare… So schlimm ist es doch gar nicht. Nur eine Strähne.“

„Aber das Loch im Verdeck ist...“

„Nicht so Groß!“
„Regnet trotzdem rein.“

„Aber es regnet doch gar nicht.“

„Ja noch nicht. Aber das Wetter schlägt schnell um hier auf dem Meer. Und jetzt leg dich wieder hin. Versuch zu schlafen und träum ja nicht wieder von Hubschraubern. Ich nehme die Leuchtpistole jetzt an mich. In deinen Händen ist das Ding gemein gefährlich!“

„Na gut. Legen wir uns wieder hin. Tut mir wirklich leid.
Gute Nacht.“

„Das macht das Meerwasser.“

„Halt den Mund!“

„Gute Nacht.“

„Moritz? Schläfst du schon?“

„Ja. Tief und fest!“

„Hältst du mich für verrückt?“

„Nein.“

„Auch nicht, wenn ich dir sage, dass ich das Gefühl habe, dass wir uns gar nicht mehr auf und ab bewegen. Mit den Wellen meine ich.“

„Wie bitte? Das kommt weil du dich daran gewöhnt hast. Das ist ganz normal. Und jetzt versuch zu schlafen.“

„Aber Moritz…“

„Gute Nacht Nele!“

„Hältst du mich für verrückt, na ja, weil ich ja Meerwasser geschluckt habe, wenn ich dir sage, was ich dir gerne sagen würde?“

„Was wird das? Ein Liebesbekenntnis?“

„Nein, Blödsinn.“

„Sondern? Jetzt sag schon.“

„Das Loch das ich eben in das Verdeck geschossen habe…“

„Ja, weiter.“

„Ich kann Palmenwipfel erkennen!“

„Unmöglich.“
„Phantasiere ich? Moritz, schau doch mal. Das ist doch eine Palme, oder?“

„Nele, wir sind auf dem Meer. Du beginnst durchzudrehen. Da ist keine… Palme? Nele, eine Palme!“

„Sag ich doch. Mach das Verdeck auf. Schnell!“

„Und wenn wir nur Phantasieren? Es geht mit uns durch, Nele!“

„Mach das Verdeck auf! Ich mach`s…. Schau nur! Sand. Strand. Palmen. Eine Insel!“

„Lass mich raus. Ich will sehen.“

„Aber Moritz… wenn du jetzt im Wasser versinkst… ich mein die Geschichten die du erzählt hast…ich hier ganz allein.“

„Wir können doch nicht beide die Selbe Halluzination haben. Ich probiere es und sonst musst du mich wieder aus dem Wasser holen, klar? Also…“

„Ich schließ die Augen… mein Gott Moritz…. Bist du jetzt versunken?






- Ulla Bach schrieb am 03.03.2007: -

Moritz: „Nele, ich glaube, wir sind auf der Insel gelandet. Nele? Neeeeeele!!!!“

Nele: „Moritz? Lass mich erst mal zu mir kommen! Was hast du gesagt?“

Moritz: „Wir sind auf einer Insel. Schau. Unser Boot liegt am Strand. Überall nur Sand und Palmen. Endlich festen Boden unter den Füßen. Ich fass es gar nicht. Wir haben ja ein unbeschreibliches Glück. Du kannst dir gar nicht vorstellen, wie ich mich freue. Nele? Was hast du? Freust du dich nicht?“

Nele: „Ach.“

Moritz: „Was meinst du mit >Ach
Nele: „Was? Wie bitte?“

Moritz: „Hast du mir überhaupt zugehört? Hallo, Frau Nele.“

Nele: „Ja, ja, ich habe zugehört. Komm, ich helfe dir. Mann, ist gar nicht so leicht, dieses Ding hochzuschieben. Ich glaube das reicht jetzt. Höher brauchen wir es gar nicht schieben.“

Moritz: „So, nun geh ich mal los. Zuerst hol ich mal Feuerholz und während du mit den Streichhölzern ein schönes Lagerfeuerchen machst, geh ich auf Erkundungstour.“

Nele: „Halt. So nicht! Du glaubst doch nicht etwa, ich bleibe allein zurück? In dieser Wildnis? Nicht mit mir! Wer weiß, ob Insulaner uns nicht schon längst beobachten und wenn ich allein bin, falle ich diesen Kannibalen in die Hände.“

Moritz: „Ich lach mich kaputt. Hier in diesen Breitengarden gibt es bestimmt keine Kannibalen, die sind ausgestorben. Ich befürchte sogar, dass dies eine unbewohnte Insel ist. Ich klettere mal umher und halte Ausschau. Du brauchst keine Angst zu haben. Ich beeile mich und dann essen wir was. Vielleicht habe ich Glück und entdecke frisches Wasser. Ich komm mir vor wie Robinson, nur haben wir beide einen leichteren Einstieg in das Inselleben. Robinson hatte keine Rettungsinsel dabei.“

Nele: „Brauchst gar nicht zu lachen, du Schlingel. Los, zieh los und komm so schnell wie du kannst wieder zurück. Um das Feuerholz kümmere ich mich selbst. Bin groß genug.“

Moritz: „Gute Idee. Und kann ich dich wirklich allein lassen?“

Nele: „Natürlich. Ist auch besser so, dass du allein gehst. Ich habe das Gefühl, wir sollten unser Boot nicht allein lassen. Bitte, verlaufe dich nicht. Da, nimm den Kompass mit, sicher ist sicher. Wäre doch sehr dumm, wenn du dich verirren würdest. Und pass auf, dass dir keine Dinosaurier begegnen!!!

Moritz: „Ha, ha, ha.“







- Wolf schrieb am 06.03.2007: -

„Moritz, da! Schau! Ein Schiff!“

„Wo? Ich seh´ nichts. Du spinnst. Da ist nichts.“

„Doch! Sieh nur! Da! Am Horizont, ganz klein.“

„Ja, ich seh´s jetzt. Warte ....was tun sie .....sie fahren vorbei. Die fahren nicht auf uns zu. Die können uns gar nicht sehen, Nele. Sie fahren vorbei! Wir müssen was tun! Schnell, laß uns was anzünden, Rauch machen, irgendwas, schnell!“

„Sie fahren vorbei......Moritz! Sie fahren vorbei!“

„Komm, hilf mir, verdammt noch mal! Such´ Holz, da, unter den Bäumen, schnell. Hör´ auf zu weinen, Nele, schrei´ nicht, das ist sinnlos, sie können uns nicht hören, niemals. Los, such´ mit, schnell. Wo sind die Streichhölzer?“

„Es ist sinnlos, Moritz. Brauchst kein Feuer zu machen, sie sind schon fast nicht mehr zu sehen. Das Holz würde sowieso nicht brennen. Schau´, es ist feucht, das brennt nicht.“

„Verdammt! Verdammt! Verdammt!“

„Laß uns auf die Anhöhe dort steigen. Wir müssen sehen, was das hier ist, wo wir jetzt sind, wie groß die Insel ist und ob´s überhaupt eine Insel ist. Vielleicht gibt´s ja Menschen hier.“

„Das glaubst Du doch selbst nicht, Nele. Sieh dich doch um. Sieht so ein Strand aus, an dem schon mal Menschen waren? Nee, hier ist nichts außer uns beiden. Wir werden hier verrecken, umkommen, verhungern. Wenn nichts mehr da ist an Notproviant, werden wir hier verrecken. Oder kannst du jagen, kannst du das? Womit? Und ob´s hier Tiere gibt, wissen wir auch nicht. Ja, vielleicht welche, die uns ans Fell wollen.“

„Wir gehen jetzt zu der Anhöhe, basta! So schnell gebe ich nicht auf. Laß´ uns nachsehen, wie´s hier ringsum aussieht. Und auf der Spitze machen wir ein Feuer, wir bereiten eins vor, wenn wieder ein Schiff zu sehen ist. Komm, komm jetzt endlich!“

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„Ganz schön anstrengend, da raufzukommen. Nicht schlecht, wie du das geschafft hast, Nele. Und das Holz rauftragen, rauf und runter. Wie alt bist du eigentlich.“

„Das tut nichts zur Sache. Könnte jedenfalls deine Mutter sein. Hab´ mich eben fit gehalten.“

„Hast du gesehen? Es ist eine Insel, auf der wir stecken. Nichts als Wald und ein paar Felsen, kejn Mensch wohnt hier. Nele, wir sind am Arsch der Welt. Hier wird man uns in tausend Jahren nicht finden.“

„Fang´ nicht wieder mit deinen Untergangsphantasien an, Moritz. Ich kann das nicht mehr hören! Hat man euch auf dem Schiff nichts beigebracht? Nichts, wie man sich verhält, wenn´s zur Katastrophe kommt, wenn das passiert, was jetzt ist? Was bist du nur für ein weinerlicher Kerl! Nicht zum Aushalten!“

„Ich hab´ Angst! Ich hab´ so ´ne Angst! Will nicht sterben! Nicht hier auf dieser verfluchten Insel!“

„Wir reden hier nicht vom Sterben, Moritz. Reiß´ dich endlich zusammen. Komm, wir ziehen die Rettungsinsel noch höher auf den Strand. Vielleicht steigt das Wasser mal und zieht sie dann raus. Und wir räumen alles Verwertbare aus, alles, was an Eßbarem da ist, auch alle Wasserflaschen. Hast du gesehen? Wasser gibt´s auf der Insel, an den Felsen, unten, da war ein kleiner See. Hoffentlich Süßwasser. Ich denke, schon, daß es Süßwasser ist.“

„Ja, zu trinken haben wir, doch was ist mit essen? Das langt nicht ewig.“

„Ab sofort essen wir nur zu festen Zeiten, und nur in kleinen Rationen, müssen es uns gut einteilen. Vielleicht gibt´s hier Früchte, Beeren oder so etwas. Damit können wir auch vielleicht länger aushalten. Wir dürfen uns nicht aufgeben, Moritz, hörst du? Wenn wir uns aufgeben, haben wir verloren.“

„Die Sonne geht schon bald wieder unter, die zweite Nacht, nicht zu fassen. Wie wollen wir überhaupt schlafen? Und wo? In der Rettungsinsel?“

„Ja, dort ist es wohl am besten. Wir können sie schließen, ist vielleicht auch nicht ganz so kalt wie draußen zu bleiben. Die Decken bleiben trocken dabei. Und sauber. Außerdem, was ist mit Käfern, mit Spinnen, vielleicht sogar Schlangen oder anderen Tieren? Brrrrr.....darf gar nicht daran denken.“

„Ich habe so erbärmliche Angst, Nele, so erbärmliche...... wer soll uns hier finden, wer......?“

„Man wird uns suchen, bestimmt wird man das. Gleich morgen früh versuchen wir, auf der Anhöhe das Feuer anzuzünden. Sie werden Flugzeuge schicken. Das Feuer müssen wir dauernd brennen lassen, auch nachts. Man muß es sehen, sie werden es sehen. Mensch, Moritz, mir geht´s auch ganz dreckig, doch wir müssen uns wehren, dürfen uns nicht ergeben. Das dürfen wir nicht, niemals. Hörst du? Niemals!
Moritz?“

„Ja.......“

„Was heißt ‚ja’?“

„Ich bekomm` Panik, Nele.....muß mich gleich übergeben....“

„Hast du ´ne Freundin?“

„Ja, habe ich, doch was hat das denn hier zu suchen?“

„Was würde sie sagen, wenn sie dich jetzt hier so sehen, so erleben würde.“

„Du hast ja recht, Nele, es ist erbärmlich, solche Angst zu haben wie ich, ich weiß es und ich schäme mich auch dafür. Doch ich bin kein Held, war ich nie, schon als Kind in der Schule nicht. Hast Du was dagegen, wenn ich mich kurz abspüle? Ich fühle mich schmierig, verschwitzt, verdreckt. Das Wasser ist gar nicht mehr so kalt, wie ich befürchtet hatte, fast warm in diesem flachen Strandbereich.“

„Ja, mach´ nur, paß aber auf. Wenn du hier was brichst, ist alles aus. dann: gute Nacht. Warum gehst du denn mit Slip ins Wasser? Genierst du dich vor mir? Nicht doch, kannst ruhig nackt reingehen. Sind ja unter uns. Haha, Scherz am Rande.“

„Wenn du meinst.“

„He, ich könnte deine Mutter sein.“

„Du bist eine Frau. Eine Frau bleibt immer eine Frau, ein paar Jahre zählen da nicht.“

„Brauchst Dich nicht wegzudrehen, Moritz. Das ist die natürlichste Sache der Welt.“



- Yalom schrieb am 13.03.2007: -

„Na gut Nele, was soll es. Ich habe das Gefühl dich schon ewig zu kennen.“

„Ich dich auch. Dann spring in die Fluten. Ich gehe zur Rettungsinsel. Mache uns das Nachtlager zurecht. Es wir hier ganz schön dunkel, nicht wahr?

„Das Wasser ist herrlich. Das tut richtig gut, Nele. Du solltest auch…“

„Morgen vielleicht. Und wasch dich auch hinter den Ohren, hörst du?“

„Klar.“


„Ach, jetzt ist schon der nächste Morgen und nichts ist passiert. Keine Hubschrauber oder Flugzeuge, Keine Boote. Ob man uns finden wird, Nele?“

„Natürlich wird man uns finden“

„Wir wissen aber nicht wie weit wir abgetrieben sind. Vielleicht rechnen die gar nicht damit, dass noch jemand lebt.“

„Ach die könne doch heutzutage so etwas berechnen. Da bin ich mir ganz sicher. Die werden die ganze Umgebung absuchen. Lass uns erst mal Frühstücken. Daran werden wir uns noch lange erinnern.“

„Ja wahrscheinlich. Nur wenn wir tot sind…“

„Stop jetzt. Hier iss das. Du brauchst etwas im Magen und dann machen wir das Feuer wieder an. Ein riesen Feuer. Da wird uns dann niemand mehr übersehen. Das werden die schon von weitem sehen.“

„Du verstehst es echt jemanden zu motivieren. Was würd ich nur machen, wenn ich allein hier wäre.“

„Dem Wahnsinn verfallen? Aber ich bin ja da.“

„Nele hörst du das? Ist das ein Hubschrauber?“

„Ich hör nichts Und sehen kann ich ihn auch nicht.“

„Doch ganz weit entfernt. Herrgott die Sonne scheint so grell. Man kann kaum in den Himmel schauen.“

„Da ist doch nichts. Oder?“

„Das hört sich doch an wie ein Hubschrauber.“

„Da! Da vorne. Da ist tatsächlich ein Hubschrauber!“

„Nein Nele, das Feuer ist nicht an!“

„Egal jetzt schnell. Schnell. Zieh dein T Shirt aus. Wedel damit. Ich hohl eine Decke. Schnell!“

„Oh Gott Nele. Hoffentlich sehen sie uns. Hier Hallo. Hallo! Hier!“

„Ich schwing die Decke wie ein Fahne. Sie müssen uns sehen.“

„Sie kommen! Oder? Sie kommen in unsere Richtung. Sieh nur! Sie kommen. Wir sind gerettet!“

„Ja, jetzt sehen sie uns! Wir haben es geschafft. Er lässt eine Leiter runter. Wir haben es geschafft. Komm in meine Arme. Wir sind gerettet!“

„Nele. Gott sei Dank. Nele. Nele. Nele. Wir sind gerettet!“






- Moderator schrieb am 15.03.2007: -

Yalom hat die Geschichte gut zu Ende gebracht, bei insgesamt zwei "Umläufen", d. h., jeder konnte zweimal schreiben. Man könnte sicher noch weitschreiben, es ließe sich noch vieles ausdenken, wie es auf der Insel und in den Gesprächen zwischen Nele und Moritz weiterginge. Doch für den ersten Versuch an dieser Stelle, eine reine Dialog-Geschichte zu schreiben, soll es damit genug sein. Hoffentlich hat es allen gefallen, hat ein bißchen geübt in der ungewohnten Form, die Protagonisten ausschließlich sprechen zu lassen. Die Zugriffszahlen verraten, daß viele, viele Augen das gemeinsame Schreiben aufmerksam verfolgt haben.

Die nächste Fortsetzungsgeschichte - fürs gemeinsame Schreiben - wird im Herbst aufgelegt werden. Der bevorstehende Sommer verlangt nach anderen Betätigungen. Außerdem sollte das gemeinsame Schreiben nicht inflationieren, damit die Lust daran und auch die Vorfreude auf das nächste Mal erhalten bleiben. Dem Moderator hat es viel Freude gemacht, die Beiträge der Beteiligten zu lesen, es war für ihn interessant und aufschlußreich. Und einzugreifen brauchte er - wie in allen Fällen zuvor - ebenfalls nicht.





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