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Aus der Welt der Literatur



2004-05-21
Der Fuchs (David H. Lawrenz; Verlag Klaus Wagenbach, Berlin; ISBN 3-8031-1220-6)

Lawrenz, bereits 1930 verstorben, ist in Deutschland nur durch sein erotisches Werk "Lady Chatterley" bekannt geworden, das zu seiner Zeit als Pornographie galt und ihn in weiten Kreisen zum Geächteten machte. Jahre zuvor schrieb er - neben anderen Werken wie "Aarons Stab" - eine Kurzgeschichte, der er den Titel "The fox" gab. Auf wenig mehr als sechzig Seiten erzählt Lawrenz die Geschichte zweier Frauen, deren eintöniges, gleichförmiges Leben auf einem einsamen Gehöft eine schicksalhafte Wendung erfährt. Ein geheimnisvoller Fuchs belagert das Anwesen und schlägt eine der Frauen in seinen Bann. Kurze Zeit später begehrt ein junger Soldat Einlaß. Lawrenz versteht es meisterhaft, durch Auslassungen, durch nicht Erklärtes, vielleicht auch nicht Erklärbares den Leser in vielerlei Hinsicht betroffen zu machen. Je kürzer ein Text, um so bedeutungsschwerer wird jeder Satz, ja, bisweilen jedes Wort.

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Textauszug:

Es kam March nicht zum Bewußtsein, wie sehr sie an ihn dachte. Aber in ihrem häufigen Dämmerzustand war es der Fuchs, der über sie herrschte und das leere Blatt ihrer Träume anfüllte. Das dauerte Wochen und Monate. Wenn sie in den Apfelbaum kletterte oder die letzten Pflaumen herunterschlug, wenn sie den Graben zum Ententeich aushob oder die Scheune kehrte; wenn sie mit einer Arbeit fertig war und sich die Haarsträhnen aus der Stirn strich und den Mund auf eine Art zusammenkniff, die für sie eigentlich zu alt war - dann kam der Fuchszauber über sie wie jenes erste Mal, als er sie angeblickt hatte. Auch nachts, vorm Einschlafen, oder wenn sie das Teewasser aufgießen wollte, war er es, der ihre Sinne gefangen nahm.
Die Monate vergingen, die dunklen Abende kamen, der bedrückende dunkle November, da man in hohen Stiefeln tief im Schmutz watete und der Morgen nicht hell werden wollte. Sie fürcheten sich vor dieser Zeit. Sie fürchteten sich vor der Dunkelheit, die sie auf ihrem kleinen einsamen Hof am Waldesrand einschloß. Besonders Banford hatte Angst, Angst vor umherschleichenden Vagabunden. Aber auch March war unbehaglich zumute. Mit ihrem ganzen Körper fühlte sie die Dunkelheit.
In der Regel tranken sie ihren Tee im Wohnzimmer. March machte mit dem Holz, das sie am Tag zerkleinert hatte, Feuer. Dann brach der endlose Abend über sie herein schwarz und regennaß, einsam, trostlos. March war schweigsam, Banford konnte den Mund nicht halten. Es ging über ihre Kräfte, nur das Rauschen der Kiefern und das Tropfen des Regens zu vernehmen.



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