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Aus der Welt der Literatur



2004-02-13
Der alte Brunnen (Hans Carosssa)

Wie unvergängliche Musikkompositionen, so gibt es auch unvergängliche Texte, die nahezu zeitlos überdauern. Dieses Gedicht gehört dazu. Verfechter der Moderne rümpfen die Nase, weil sie die Technik des Reims als veraltet verachten. Doch sie irren. Das Gedicht in der klassischen Form wird immer seinen Platz in der Poesie, in der Lyrik behaupten.

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Lösch aus dein Licht und schlaf! Das immer wache
Geplätscher nur vom alten Brunnen tönt.
Wer aber Gast war unter meinem Dache,
Hat sich stets bald an diesen Ton gewöhnt.

Zwar kann es einmal sein, wenn du schon mitten
Im Traum bist, daß Unruh geht ums Haus,
Der Kies beim Brunnen knirscht von harten Tritten,
Das helle Plätschern setzt auf einmal aus.

Und du erwachst, - dann mußt du nicht erschrecken!
Die Sterne stehn vollzählig überm Land,
Und nur ein Wandrer trat ans Marmorbecken,
Der schöpft vom Brunnen mit der hohlen Hand.

Er geht gleich weiter, und es rauscht wie immer.
O freue dich, du bleibst nicht einsam hier.
Viel Wandrer gehen fern im Sternenschimmer,
Und mancher noch ist auf dem Weg zu dir.



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