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Aus der Welt der Literatur



2016-04-21
Licht im August (William Faulkner / Rowohlt / ISBN 3498020682)

William Faulkner, am 25. September 1897 in Albany, Mississippi, als William Cuthbert Falkner geboren, zählt zu den bedeutendsten Schriftstellern des 20. Jahrhunderts. Neben seinem umfänglichen Werk, einer Chronik von Glanz und Verfall der Südstaaten, verfasste er Drehbücher, unter anderem zu Raymond Chandlers "The Big Sleep" und Ernest Hemingways "To Have and Have Not", beide unter der Regie von Howard Hawks verfilmt. Faulkner wurde zweimal mit dem Pulitzer-Preis und dem O´Henry Award ausgezeichnet, erhielt den National Book Award und 1950 den Nobelpreis für Literatur. Er starb am 6. Juli 1962.

„Licht im August“ ist ein sprachmächtiges Südstaaten-Epos. Viel mehr als im Klappentext angeführt, muß man nicht dazu anmerken: „Mit sinnlicher Leidenschaft entrollt Faulkner in diesem Klassiker der Literatur des 20. Jahrhunderts drei Lebenswege in der weiten Landschaft des Mississippi.“ Das Ganze spielt in der Zeit nach dem amerikanischen Bürgerkrieg, noch sind nicht alle Wunden geheilt und noch weniger vergessen, die der Kampf zwischen den Südstaatlern und den Unionisten geschlagen hat. Die Heldin ist eine junge Frau auf der Suche nach dem Vater ihres noch ungeborenen Kindes; sie übersteht fast als einzige die Irrungen und Wirrungen, die das Schicksal ihr auf diesem beschwerlichen Weg aufbürdet, denn anderen, denen sie begegnet, ist dieses Glück nicht immer beschieden; Vergangenes kehrt zurück, holt die Menschen ein, greift in verstörender wie zerstörerischer Weise erneut in ihr Leben ein. Wie sagte Faulkner: „Das Vergangene ist nicht tot; es ist nicht einmal vergangen." Wahrlich ein großer Roman.


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Textauszug:


….Ich machte also wieder Feuer und bereitete das Frühstück vor, und nach einer Weile hörte ich sie von dem Laster runterklettern. Ich hab mich überhaupt nicht umgedreht. Aber ich konnte hören, daß sie da stand, als würde sie sich umsehen, so als könnte sie nach dem Aussehen des Feuers oder meiner Decke sagen, ob er da war oder nicht. Aber ich habe nichts gesagt, und sie hat nichts gesagt. Ich wollte packen und aufbrechen. Und ich wußte, daß ich sie nicht mitten auf der Straße stehenlassen konnte. Und was passieren würde, wenn meine Frau hört, daß ich mit einem hübschen jungen Ding vom Land und einem drei Wochen alten Baby rumreise, auch wenn die Frau behauptete, sie wäre auf der Suche nach ihrem Mann. Oder ihren beiden Männern, inzwischen. Also haben wir gegessen, und dann hab ich gesagt: „So, ich hab noch einen weiten Weg vor mir und sollte, glaube ich, besser aufbrechen.“ Und sie sagte die ganze Zeit gar nichts. Und als ich zu ihr hinsah, sah ich, daß ihr Gesicht so ruhig und gefaßt war wie schon die ganze Zeit vorher. Verdammt will ich sein, wenn sie auch nur verwundert war oder so. Da stand ich also und wußte nicht, was ich mit ihr anfangen sollte, und sie hatte schon ihre Sachen zusammengepackt und sogar den Wagen ausgekehrt, mit einem Zweig von einem Eukalyptusbaum, ehe sie den Pappkoffer hineinstellte und ganz hinten im Wagen mit der gefalteten Decke eine Art Polster machte; und ich sage mir: ‚Kein Wunder, daß du zurechtkommst. Wenn die sich aus dem Staub machen, sammelst du einfach auf, was sie zurückgelassen haben und machst weiter.“ – „Ich glaube, ich bleibe unterwegs hier hinten“, sagt sie.

„Das könnte für das Baby ein bißchen holprig sein“, sage ich.
„Ich denke, ich kann ihn auf den Armen halten“, sagt sie.
„Wie Sie wollen“, sage ich. Und wir fuhren los, und ich habe mich vom Sitz rausgehängt, weil ich hoffte, er würde aufkreuzen, ehe wir um die Kurve waren. Aber nichts. Es gibt doch diese Geschichte von dem Mann, der am Bahnhof mit einem fremden Baby auf dem Arm erwischt wird. Und da war ich nun, mit einer fremden Frau und einem fremden Baby, und bei jedem Auto, das sich von hinten näherte und uns überholte, erwartete ich, daß es voller Ehemänner und auch Ehefrauen wäre, um von Sheriffs ganz zu schweigen.

Wir waren schon dicht vor der Grenze nach Tennessee, und ich hatte mich fest entschlossen, entweder bringe ich den neuen Laster auf Touren, oder ich fahre in eine Stadt, die so groß ist, daß es da so einen von Damen geführten Wohlfahrtsverein gibt, wo ich sie abgeben kann. Und ab und zu dreht ich mich um, weil ich hoffte, er wäre vielleicht zu Fuß hinter uns hergekommen, und dann sah ich sie da sitzen, mit einem Gesicht so ruhig wie bei der Andacht, und sie hielt das Baby so, daß es trinken konnte und gleichzeitig nicht zu sehr geschüttelt wurde. Die Leute sind unschlagbar.








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