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Aus der Welt der Literatur



2011-11-16
Über das Lesen von Büchern (W. Somerset Maugham / Books and You - Auszug- / Diogenes Verlag / ISBN 3-257-23626-2)

Es gibt Menschen, die niemals Bücher lesen, jedenfalls keine belletristischen. Sie lesen Gebrauchsanweisungen, Programmzeitschriften, Reiseführer, Bedienungsanleitungen, Warenhauskataloge, vielleicht noch Kochbücher. Aber keine Romane, keine Erzählungen oder Essays, erst recht keine Lyrik. Die Zeit fehle ihnen hierzu, oder es gibt eine Menge anderer Gründe, die sie für ihre literarische Abstinenz ins Feld führen. Hierzu äußert sich W. Somerset Maugham (1874 - 1965) in seinem Vorwort zu „Books and You“.

„Books and You“ veröffentlichte Maugham 1940, so daß in seiner höchstindividuellen Betrachtung und Beschreibung weltbekannter Autoren und deren bedeutendster Werke alle jene mit Rang und Namen fehlen, die danach kamen. Doch mit diesem Makel – ist er wirklich groß, welche Namen vermißt man eigentlich? – kann das äußerst kenntnisreiche und kurzweilige Büchlein gut leben.

Maugham, schließlich selbst in die erste Liga der Schriftsteller aufgestiegen, las sehr viel, was beileibe nicht alle seiner Zunft von sich behaupten können, zeigt sich in „Books and You“ weder als Autor noch als Kritiker, sondern tritt in erster Linie aus der Sicht eines Lesers an die vorgestellten Bücher heran, führt jene Titel an, die er halbwegs gebildeten und an Literatur interessierten Menschen zu lesen empfiehlt. Und diesen Empfehlungen kann man getrost auch noch nach siebzig Jahren unbedingt und unbedenklich Folge leisten.

Mit seinen Erzählungen und Kurzgeschichten errang Maugham, der britischer Staatsbürger und studierter Arzt war, nach Meinung nicht weniger Kritiker noch mehr Ruhm als mit seinen Romanen und Theaterstücken, obwohl wiederum andere den Roman „Of Human Bondage“ (deutscher Titel: „Der Menschen Hörigkeit“) als sein wichtigstes Werk betrachten. Ungewöhnlich viele seiner Arbeiten wurden verfilmt. Er studierte unter anderem in Heidelberg (Deutsch, Literatur und Philosophie), reiste viel durch die Welt, wobei sich insbesondere seine südlichen bzw. fernöstlichen Reiseerlebnisse nicht selten in seinen Texten wiederfinden. Ihn inspirierte Joseph Conrad, dessen Wertschätzung er uneingeschränkt eingestand.

Zweifellos zählt Maugham zu den erfolgreichsten Schriftstellern seiner Zeit. Die Auflagen seiner Bücher überstiegen bereits, als er 1965 in Südfrankreich an den Folgen einer Tuberkulose-Erkrankung starb, die Zehnmillionen-Marke. Und noch immer ist das Interesse an ihm ungebrochen.

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(Auszug aus dem Vorwort zu "Books and You")

„Der Leser muß etwas von sich einbringen. Er muß sich für die menschlichen Verhältnisse interessieren, und er muß zumindest etwas Phantasie besitzen. Ich kenne eine Reihe von Menschen, die von sich sagen, sie könnten keine Romane lesen, und mir ist aufgefallen, daß sie oft zu der Ansicht neigen, sie könnten sich, weil sie mit wichtigen Dingen zu tun haben, nicht mit imaginären Ereignissen abgeben. Doch da täuschen sie sich. Entweder sind diese Menschen so sehr mit sich selbst beschäftigt, daß sie sich nicht für andere interessieren, oder sie sind, weil sie keine Phantasie haben, nicht imstande, sich in die Welt von Romanfiguren einzufühlen und deren Freuden und Schmerzen nachzuvollziehen. Kein Buch ist lesbar, wenn man keine Neugier besitzt oder Empathie aufbringen kann. Ein Buch ist nur dann lesbar, wenn es einem hier und jetzt etwas bedeutet. Lesbarkeit ist nur eine Eigenschaft neben den anderen, die es vielleicht hat, und es ist eine Eigenschaft, die mit den Interessen des Lesers zu tun hat. Ich bin sicher, daß die von mir empfohlenen Bücher im großen und ganzen den durchschnittlich interessierten Menschen ansprechen, weil sie jene Menschlichkeit besitzen, die uns allen gemeinsam ist."




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