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Aus der Welt der Literatur



2011-01-10
Roter Mohn (Johannes Bobrowski)

Nur Mohn. Oft übersehen am Straßenrand, am Feldesrain, dem Flammenzüngeln zum Trotz. Obwohl die Blüte nach nichts riecht, nicht duftet, atmet sie denjenigen, der sich über sie beugt, mit einer Mischung aus Geheimnis und Gefahr an. Jeder spürt, daß es mit dieser Pflanze eine besondere Bewandtnis haben muß. Alle namhaften Maler und Lyriker nahmen sich ihrer an, versuchten, ihre unglaubliche Farbe auf die Leinwand zu bringen und in Versen festzuhalten, ein schier aussichtsloses Unterfangen. Johannes Bobrowski war sich dessen sicher bewußt, schrieb dennoch unerhörte Zeilen über die so flüchtige, legenden- und sagenumwobene Blume.

Um Johannes Bobrowski ist es still geworden. Sein Leben verlief in einfachen Bahnen, der große Ruhm, das große Aufsehen sollten ihm dauerhaft verwehrt bleiben. Sein Werk besteht im wesentlichen aus Gedichten und Erzählungen, Romane veröffentlichte er nur wenige, von denen keinem der große, der spektakuläre Durchbruch gelang. Doch um Lyriker ist es meistens schon zu Lebzeiten still.

Bobrowski wurde am 9. April 1917 in Tilsit geboren. Über Rastenburg und Königsberg (damalige Namen) landete er schließlich in Berlin, nahm, obwohl mit dem nationalsozialistischen Widerstand sympathisierend, gezwungenermaßen als Wehrpflichtiger in voller Länge am Zweiten Weltkrieg teil (Polen, Frankreich, Rußland), geriet in russische Gefangenschaft, aus der er 1949 nach Berlin zurückkehrte. Erst danach begann seine eigentliche Schaffenszeit. Immer verstand er sich als deutscher Dichter, lehnte die Trennung nach ostdeutscher und westdeutscher Literatur ab, was ihn ins Visier der DDR-Staatssicherheit brachte.
Er starb am 2. September 1965 in Berlin und liegt begraben auf dem Friedhof der Evangelischen Gemeinde in Berlin-Friedrichshagen.


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Roter Mohn (Johannes Bobrowski)

Leuchtender! Die wilden Winde
übersteht dein Leuchten nicht,
aber leih´ mir, daß ich´s binde,
dein Erglühen zum Gedicht.

Nicht daß davon je geblieben
wär dein Bild, das Rot darin!
Immer, was wir herzlich lieben,
geht dahin, wie Rauch dahin.



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