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Aus der Welt der Literatur



2010-05-29
Lied von Winde (Eduard Mörike)

Erste Liebe, das Herz pocht im jungen Busen, eine Vorahnung schon von der Flüchtigkeit, vom Kommen und Gehen, von Abschied und Weh. Fast sieht man es vor sich, das Mädchen, im luftigen Kleid, die Wangen gerötet, die Hände verschränkt, dem Sommerwind lauschend, der durch die Äste des Baumes am Wegesrand fährt.

Eines der vordergründig leichten Gedichte Mörikes, nahezu verspielt in Versmaß und Zeilenlauf. Und doch, wie so oft, versteckt sich im vermeintlich Heiteren, so auch hier, etwas von dem, das übers Schmunzeln hinausreicht und ein Weilchen innehalten läßt.

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Lied von Winde (Eduard Mörike)


Sausewind, Brausewind!
Dort und hier!
Deine Heimat sage mir!

„Kindlein, wir fahren
Seit viel vielen Jahren
Durch die weit weite Welt,
Und möchtens erfragen,
Die Antwort erjagen,
Bei den Bergen, den Meeren,
Bei des Himmels klingenden Heeren,
Die wissen es nie.
Bist du klüger als sie,
Magst du es sagen.
- Fort, wohlauf!
Halt uns nicht auf!
Kommen andre nach, unsere Brüder,
Da frag wieder.“

Halt an! Gemach,
Eine kleine Frist!
Sagt, wo der Liebe Heimat ist,
Ihr Anfang, ihr Ende?

„Wers nennen könnte!
Schelmisches Kind,
Lieb ist wie Wind,
Rasch und lebendig,
Ruhet nie,
Ewig ist sie,
Aber nicht immer beständig.
- Fort! Wohlauf! auf!
Halt uns nicht auf!
Fort über Stoppel, und Wälder, und Wiesen!
Wenn ich dein Schätzchen seh,
Will ich es grüßen.
Kindlein, ade!“




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