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Aus der Welt der Literatur



2010-04-01
Abends (Else Lasker-Schüler)

Wer kennt es nicht, das plötzliche Weh, wie aus dem Nichts, sekundenschnell. Ein Augenpaar, flüchtig verweilender Blick auf das längst vergessene Bild, ein Satz, eine Zeile, irgendwo unter die Augen gekommen, eine Melodie, die nicht verklingen will und keinen Fluchtweg läßt.

„Dies war die größte Lyrikerin, die Deutschland je hatte.“ Gottfried Benn soll diese Worte über Else (Elisabeth) Lasker-Schüler (1869 – 1945) gesagt haben. Auch wenn er als einer ihrer zahlreichen Geliebten nicht unbedingt zu den objektivsten Rezensenten zu zählen sein wird. Dennoch, zweifellos war sie eine große Lyrikerin und Poetin ihrer Zeit, zog wie wenig andere künstlerisch Ambitionierte die Aufmerksamkeit auf sich. Exzentrisch, exaltiert, schillernd, sinnlich bis zur Provokation in Wort und Schrift. Der Verlauf ihres Lebens spiegelt ihr Wesen, ihre jüdische Herkunft und vor allem die Zeit, in der sie lebte, mit aller Deutlichkeit und Unbarmherzigkeit wider. Unter der sich abzeichnenden Bedrohung durch die Nationalsozialisten emigrierte sie bereits 1933, unmittelbar nach Hitlers Machtergreifung, in die Schweiz, doch auch dort war sie nicht gelitten, erhielt ein Schreibverbot. 1938 wurde ihr die deutsche Staatsbürgerschaft aberkannt, ihre Kunst als „entartet“ eingestuft. Die Schweiz duldete sie mit befristeten Aufenthaltserlaubnissen, ließ sie durch die Fremdenpolizei überwachen. Zweimal reiste sie nach Palästina, nach der dritten Reise dorthin verwehrte ihr die Schweiz die Rückkehr, verweigerte ihr ein weiteres Visum. Bis zu ihrem Tod lebte sie in Jerusalem; sie starb am 22. Januar 1945, erlebte den Untergang Hitler-Deutschlands nicht mehr, den sie schon früh vorausgesagt hatte. Wie bei vielen großen Frauengestalten der Literatur, so weist auch ihr Leben wohl nur wenige Momente des Glücks auf, war um so mehr geprägt von Schmerz und Tragik. Auf dem Ölberg, dem für Juden so symbolträchtigen Friedhof, liegt sie begraben.

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Abends

Auf einmal mußte ich singen –
Und ich wußte nicht warum?
– Doch abends weinte ich bitterlich,

Es stieg aus allen Dingen
Ein Schmerz, und der ging um
– Und legte sich auf mich.







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