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Aus der Welt der Literatur



2008-11-22
Gösta Berling (Selma Lagerlöf / DTV / ISBN-10: 3-42312-461-X )

Neben „Die wunderbare Reise des kleinen Nils Holgersson mit den Wildgänsen“ zählt der Roman „Gösta Berling“ zu den bekanntesten Werken der immer noch weltweit populären schwedischen Schriftstellerin (1858 – 1940). Schöner als die Zeilen am Ende des Buches, in dessen Episoden sich wahre Begebenheiten mit den zahllosen Sagen und Legenden, mit Märchen, Mythen und Spukgeschichten ihres Heimatlandes und ganz besonders mit den Stätten ihrer eigenen Kindheit im Värmland vermischen, kann man das Glück poetischer Erzählkunst und dichterischer Fantasie kaum zum Ausdruck bringen.

Selma Lagerlöf blieb zeitlebens unverheiratet, betätigte sich zeitweise als Unternehmerin, mahnte Sozialreformen an und setzte sich bereits damals für die Gleichberechtigung der Frauen ein. Auch half sie mit, daß Leonie („Nelly“) Sachs in letzter Minute die Flucht vor den Häschern der Nationalsozialisten nach Schweden gelang. Durch den spektakulären Erfolg ihrer Bücher – 1909 erhielt sie als erste Frau den Literaturnobelpreis - war sie später in der Lage, das durch wirtschaftliche Not 1890 verlorene elterliche Anwesen, das sie so liebte, zurück- und noch weiteres Land hinzuzukaufen.

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Textauszug (Schluß):


Vielleicht wird es euch doch freuen, daß eure Namen wieder mit der Geschichte der geliebten Höfe verknüpft sind. Möge aller Glanz, der euer Leben erhellt hat, wieder auf die Gegend fallen, wo ihr gelebt habt. Noch stehen Borg und Björne, noch liegt Ekeby am Löfven, herrlich umgeben von See und Wasserfall, von seinem Park und seinen lachenden Waldwiesen, und wenn man auf den breiten Altanen steht, umschwärmen einen die alten Geschichten wie die Bienen im Sommer.

Aber da wir gerade von Bienen sprechen, will ich euch noch eine alte Geschichte erzählen. Der kleine Ruster, der als Trommler im Jahre 1813 mit der schwedischen Armee nach Deutschland gezogen war, wurde später nie müde, von dem wunderbaren Land im Süden zu erzählen. Die Menschen seien dort so groß wie Kirchtürme, die Schwalben so groß wie Adler und die Bienen wie Gänse.
„Nun, und die Bienenkörbe?“
„Die Bienenkörbe? Ja, die sind wie gewöhnliche Bienenkörbe.“
„Wie können die Bienen dann aber hineinkommen?“
„Ja, das ist ihre Sache“, sagte der kleine Ruster.

Lieber Leser, muß ich nicht dasselbe sagen? Hier haben uns nun die Riesenbienen der Phantasie Jahr und Tag umschwärmt, wie sie aber in den Bienenkorb der Wirklichkeit hineinkommen wollen, das ist ihre Sache.





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