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Aus der Welt der Literatur



2008-08-13
„Was ich mir wünsche“ Gedichte aus Liebe (Bibliothek Suhrkamp 1413, erschienen 19.03.07)

Thomas Brasch (1945 – 2001), als Sohn jüdischer Emigranten im englischen Exil geboren, war Leidensgenosse Biermanns, geriet selbst endgültig in das unbarmherzige Räderwerk der ihrem Untergang zutaumelnden DDR, als er gegen dessen Ausbürgerung protestierte. Auch zuvor war er den Machthabern durch unbotmäßige literarische Betätigung verhaltensauffällig geworden. Im Dezember 1976 schob man ihn nach West-Berlin ab, offiziell als „Übersiedlung“ etikettiert. Das nachstehende Gedicht, ursprünglich ein Tagebucheintrag unter vielen, veröffentlichte Brasch 1978. Es heißt, daß er die Eintragung hastig vor der bevorstehenden Abschiebung verfaßte. Unübersehbar zeigt sich die Verbindung des Textes zum Schicksal des Autors, doch zeitlos gilt er gewiß für viele Lebensläufe, letzten Endes wohl für uns alle.


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SCHLIESS DIE TÜR UND BEGREIFE,
daß niemandem etwas fehlt,
wenn du fehlst, begreife,
daß du der einzige bist der ohne Pause
über dich nachdenkt,
daß du die Tür schließen kannst
ohne viel Aufhebens und ohne Angst,
es könne dich einer beobachten.
Dich beobachtet keiner.
Du fehlst keinem.
Wenn du das begriffen hast,
kannst du die Tür schließen hinter dir.

Thomas Brasch



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