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Aus der Welt der Literatur



2008-06-09
Ich will dich behalten (Endre Ady)

Der erlebten Nähe fliehen, um ganz nah zu sein. Dem Verlangen zu entsagen und vor Sehnsucht vergehen. Zu wissen um des Glückes Flüchtigkeit, so es denn zu lange verweilt.

Endre Ady (1877-1919) gilt noch immer als einer der bedeutendsten ungarischen Lyriker, wurde zum Symbol für den Aufbruch, für die Moderne in der Literatur seines Landes. Ady studierte Jura, betätigte sich u. a. als Journalist, war zeitlebens aufrührerisch, stellte sich gegen die herrschenden gesellschaftlichen Zustände, provozierte, auch mit den Mitteln einer unangepaßten, zu damaliger Zeit aufsehenerregenden literarischen Sprache.

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Ich will dich behalten (Endre Ady)


Wahnsinn ist dieses In-Küssen-Leben,
Dieses große Sich-Erfüllen,
Diese Güte, dies Ergeben.

Der ich im Schoß dir vor Sehnsucht vergehe,
Hör mich, Geliebte, höre, ich flehe:
Treibe mich, jag mich hinaus in die Nacht!

Dann laß die Lippen in Kälte erstarren,
Wenn mir die meinen am feurigsten brennen,
Trete, verstoße dann lachend mich Narren!

Henker sind all die lebendgen Gelüste,
Fluch auch die herrlichste Gegenwart;
Ich flieh, weil ich sonst dich verlieren müßte.

Laß mich dich immer erobernd nur wissen,
Sieghaft nur sehn deinen lüsternen Leib
Auf der Vergangenheit duftendem Kissen.

Weil ich nicht will, daß ich jemals verlerne
Die Liebe zu dir, bestell ich zur ewigen
Hüterin ihr die verschönernde Ferne.

Nie sei mein Traum mir, mein großer, zerstört,
Von einer Frau, nach welcher ich lange,
Und deren Liebe mir gehört.








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