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Aus der Welt der Literatur



2008-01-23
Choral am Ende der Reise (Erik Fosnes Hansen / Fischer Taschenbuch Verlag / ISBN 3-596-50335-3)

Über den Untergang der „Titanic“ wurden unzählige Bücher geschrieben; gute und weniger gute, den wahren Ereignissen mal mehr, mal weniger nahekommend, wie wohl bei solchem Stoff kaum anders zu erwarten. Eines der Lesenswertesten stammt zweifellos aus der Feder des Norwegers Erik Fosnes Hansen, der seinen Roman fiktiv am Schicksal der Bordkapelle festmacht. Männern unterschiedlichster Herkunft und Lebensläufe, bunt zusammengewürfelt, rekrutiert nur für diese Reise, die – zumindest dies gilt als authentisch überliefert – bis zum Ende auf dem Oberdeck aushielten und weiterspielten. Sie kamen allesamt um, alle Rettungsboote waren längst fort, als das Schiff schließlich sank.

Mit diesem Roman – erschienen 1990 – avancierte Erik Fosnes Hansen rasch zum Bestseller-Autor; es war erst sein zweites Buch, für das er den renommierten norwegischen Literaturpreis „Riksmalprisen“ erhielt.

Wunderschön sind allein schon die lyrischen Zeilen, die er seiner Erzählung voranstellt:




„Die Jahrhunderte verrinnen wie ein träger Fluß aus Klängen und Bildern. Gesichter und Städte ziehen vorbei.
Manche Bilder sind vollständig und klar, andere verschwinden, wie im Nebel.
Jede Zeit hat ihre Bilder und ihre Geräusche.

Manche Zeiten hallen wider von Hymnen, von Tönen, die aufsteigen unter Steingewölben. Doch auch Geräusche von Eisen gibt es, von Feuerschreien oder von leisen Lauten, die stilles Weinen sind. Langsam gleiten sie dahin, wie Eisgang auf einem Fluß.

Und du kannst sie nicht einfangen.
Fast wie heimliche Traumbilder; verlorene Ikonen, auf die mit alten Farben fremde Zeiten und Gesichter gemalt sind. Jede Zeit hat ihre Bilder und ihre Geräusche.

Wie ein Gedicht, das man vergessen hat."





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