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Aus der Welt der Literatur



2007-10-23
Aus der Kindheit (Friedrich Hebbel)

Balladen, wundersame Mischung aus Gedicht und Erzählung, in besonderem Maße zum Vorlesen geeignet, womöglich an lauschigem, heimeligem Ort. Oft auch gesungen. Man sieht ihn schon vor sich, den Bänkelsänger, mit wirrem Haar und offenem Hemd, die Gitarre zupfend, geheimnisvolle Blicke in die gespannte Zuhörerschaft werfend.

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Aus der Kindheit (Friedrich Hebbel)


„Ja, das Kätzchen hat gestohlen,
Und das Kätzchen wird ertränkt.
Nachbars Peter sollst du holen,
Daß er es im Teich versenkt!“

Nachbars Peter hat´s vernommen,
Ungerufen kommt er schon;
„Ist die Diebin zu bekommen,
Gebe ich ihr gern den Lohn!“

Mutter, nein, er will sie quälen,
Gestern warf er schon nach ihr,
Bleibt nichts andres mehr zu wählen,
So ertränk ich selbst das Tier.

Sieh, das Kätzchen kommt gesprungen,
Wie es glänzt im Morgenstrahl!
Lustig hüpft´s dem kleinen Jungen
Auf den Arm zu seiner Qual.

Mutter, laß das Kätzchen leben,
Jedes Mal, wenn´s dich bestiehlt,
Sollst du mir kein Frühstück geben,
Sieh nur, wie es artig spielt!

„Nein, der Vater hat´s geboten,
Hundert Mal ist ihr verziehn!“
Hat sie doch vier weiße Pfoten!
„Einerlei! Ihr Tag erschien!“

„Nachbarin, ich folg ihm leise,
Ob er es auch wirklich tut!“
Peter spricht es hämscher Weise,
Und der Knabe hört´s mit Wut.

Unterwegs auf manchem Platze
Bietet er sein Liebchen aus,
Aber keiner will die Katze,
Jeder hat sie längst im Haus.

Ach, da ist er schon am Teiche,
Und sein Blick, sein scheuer, schweift,
Ob ihn Peter noch umschleiche –
Ja, er steht von fern und pfeift.

Nun, wir alle müssen sterben,
Großmama ging dir vorauf,
Und du wirst den Himmel erben,
Kratze nur, sie macht dir auf!

Jetzt, um sie recht tief zu betten,
Wirft er sie mit aller Macht,
Doch zugleich, um sie zu retten,
Spring er nach, als er´s vollbracht.

Eilte Peter nicht, der lange,
Gleich im Augenblick herzu,
Fände er, es ist mir bange,
Hier im Teich die ewge Ruh.

In das Haus zurückgetragen,
Hört er auf die Mutter nicht,
Schweigt auf alle ihre Fragen,
Schließt die Augen trotzig-dicht.

Von dem Zucker, den sie brachte,
Nimmt er zwar zerstreut ein Stück,
Doch den Tee, den sie ihm machte,
Weist er ungestüm zurück.

Welch ein Ton! Er dreht sich stutzend,
Und auf einer Fensterbank,
Spinnend und sich emsig putzend,
Sitzt sein Kätzchen blink und blank.

„Lebt sie, Mutter?“ Dem Verderben
Warst du näher, Kind, als sie!
„Und sie soll auch nicht mehr sterben?“
Trinke nur, so soll sie´s nie!


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Dramen und Tragödien aus der Kindheit, die großen und die kleinen, erster Schmerz, der das junge Herz ereilt. Wer weiß davon nicht zu erzählen......





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