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Aus der Welt der Literatur



2007-03-11
Das Land vor uns, das Land hinter uns (David Guterson / btb Verlag / ISBN 3-442-72426-0)

Er kehrt zurück, dorthin, wo er glückliche Tage, halb noch Kind, mit dem Mädchen verbrachte, das immer las, auf einer Bank im Garten. Das ihn eintauchen ließ in eine wundersame, ihm bislang verschlossene Welt. Das mit ihm einen Blumengarten, der nur ihnen beiden gehörte, anlegte, das sein Herz mit einem Mal für Dinge schlagen ließ, die ihm vorher fremd gewesen waren. Dann zog es ihn hinaus, als Baseballspieler, in die Sportarenen, zu fernen Städten. Da gab er sie auf und wußte nicht, was er verlor. Als er nach ihr zu suchen begann, war es zu spät.
David Guterson, Autor des Klassikers „Schnee, der auf Zedern fällt“, schrieb in diesem Band zehn wundeschöne Erzählungen; aus einer von ihnen – „Der Blumengarten“ – hier ein Textauszug.

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Textauszug:

Alles andere war, wie es sein sollte, wie es immer gewesen war, nur ich hatte keinen Platz mehr darin. Ich war widerrechtlich eingedrungen, um überhaupt dort sein zu können, und plötzlich fühlte ich mich einsamer als je zuvor, verlassener, von meiner eigenen Seele niedergedrückt, von dem, was ich unabänderlich war, und dann kam es mir so vor, als ob meine Anwesenheit an diesem Ort, in der Nacht, unter dem Mond, unwiderruflich den letzten Moment markierte, in dem ich wirklich jung war. Seitdem sind Jahre vergangen, aber noch heute – in Bussen, die einen ins Stadtzentrum bringen, in lauten Lokalen, in startenden Flugzeugen, auf Hochzeiten und im Kino und bei Baseballspielen, wenn diese Augenblicke kommen und das Spielfeld verschwindet und ich mich in der Vergangenheit wiederfinde und ganz in mich versunken bin – überfällt mich dieselbe um sich greifende Einsamkeit, die mich damals unter sich begrub: die Einsamkeit von Jungen, die Angst vor dem Tod und vor dem Erwachsenwerden haben.





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