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Aus der Welt der Literatur



2007-02-21
Heimat (Wolf Biermann)

Biermann, der nie eine wirkliche Heimat fand, weder im politisch-gesellschaftlichen noch im geographischen Sinne, verarbeitet seine Rastlosigkeit, sein Getriebensein, seine immerwährenden Fluchten in seinem gesamten künstlerischen Schaffen. So auch im nachstehenden Gedicht, das den Titel seines neuen Buches trägt und diesem entnommen wurde. („Heimat“ / Hoffman und Campe Verlag / ISBN 3-45540-036-1)

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Heimat
(Wolf Biermann)


Ich suche Ruhe und finde Streit
Wie süchtig nach lebendig Leben
Zu kurz ist meine lange Zeit
Will alles haben, alles geben
Weil ich ein Freundefresser bin
Hab ich nach Heimat Hunger – immer!
Das ist der Tod, da will ich hin
Ankommen aber nie und nimmer

Tief schlafen, träumen ohne Schrei
Aufwachen und noch bißchen dösen
Schluck Tee, Stück Butterbrot dabei
Leicht alle Menschheitsfragen lösen
Im ewig jungen Freiheitskrieg
Das Unerträgliche ertragen:
Die Niederlage steckt im Sieg
Trotz Furcht: Die Liebe tapfer wagen!

Zur Nacht ein Glas Rioja-Wein
Weib! Weib, du bist mein Bacchanalchen
Laß Tier uns mit zwei Rücken sein!
Flieg du nochmal und ich nochmalchen
Dir bau ich den Balladen-Text
Wenn meinem Salamander wieder
Der abgebissne Schwanz nachwächst
Und so, ihr Lumpen, macht man Lieder

Ich suche Ruhe und finde Streit
Wie süchtig nach lebendig Leben
Zu kurz ist meine lange Zeit!
Will alles haben, alles geben
Weil ich ein Feindefresser bin
Hab ich nach Rache Hunger – immer!
Das ist der Tod, da will ich hin
Ankommen aber nie und nimmer



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