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Aus der Welt der Literatur



2007-01-29
Abschied (Friedrich Nietzsche)

Es ist nicht sicher, wie Nietzsche dieses von Trauer und Trostlosigkeit durchdrungene Gedicht endgültig überschrieb. An Titeln sind „Vereinsamt“, „Aus der Winterwüste“ und „Abschied“ wohl am geläufigsten. Im Ursprungstext besteht das Gedicht aus zwei Abschnitten, doch so gut wie immer wird davon nur der erste, hier niedergeschriebene Abschnitt vorgestellt.

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Abschied (Friedrich Nietzsche)

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n -
Wohl dem, der jetzt noch - Heimat hat!

Nun stehst du starr,
Schaust rückwärts ach! wie lange schon!
Was bist du, Narr,
Vor Winters in die Welt - entflohn?

Die Welt - ein Thor
Zu tausend Wüsten stumm und kalt!
Wer Das verlor,
Was du verlorst, macht nirgends Halt.

Nun stehst du bleich,
Zur Winter-Wanderschaft verflucht,
Dem Rauche gleich,
Der stets nach kältern Himmeln sucht.

Flieg', Vogel, schnarr'
Dein Lied im Wüsten-Vogel-Ton! -
Versteck', du Narr,
Dein blutend Herz in Eis und Hohn!

Die Krähen schrei'n
Und ziehen schwirren Flugs zur Stadt:
Bald wird es schnei'n,
Weh dem, der keine Heimat hat!





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