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Aus der Welt der Literatur



2006-12-26
Dunkle Wasser ("Siddhartha" / Hermann Hesse / Suhrkamp Verlag / ISBN 3-518-36682-3)

Wer hat nicht schon auf das Wasser eines Flusses geblickt, das dunkel und in völliger Stille vorüberzieht, hier einen Kreis beschreibt, dort die Andeutung eines Strudels zeigt, der in eine geheimnisvolle Tiefe weist? Oder von einer Brücke hinabgeschaut auf den vorgewölbten Pfeiler, gegen den lautlos die Flut drängt, sich teilt, an der glatten Wand vorbeiströmt, um sich dahinter sogleich wieder zu schließen, eine drehende, pulsierende, in sich selbst zerfließende Oberfläche zurücklassend, die sich erst weit hinter der Brücke wieder glättet?
Wer kennt es nicht, jenes Ziehen im Magen, jener kleine Schauder, so lange das Auge auf dem Strom verhält?
In Hesses „Siddhartha“ gibt es einige Sätze, die etwas von den Augenblicken, von den Rätseln eines Flusses wiedergeben, die uns seit Kindertagen nicht mehr loslassen.


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Textauszug:

„Hast du“, so fragte er ihn einst, „hast auch du vom Flusse jenes Geheime gelernt: daß es keine Zeit gibt?“
Vasudevas Gesicht überzog sich mit hellem Lächeln.
„Ja, Siddhartha“, sprach er. „Es ist doch dieses, was du meinst: daß der Fluß überall zugleich ist, am Ursprung und an der Mündung, am Wasserfall, an der Fähre, an der Stromschnelle, im Meer, im Gebirge, überall zugleich, und daß es für ihn nur Gegenwart gibt, nicht den Schatten Vergangenheit, nicht den Schatten Zukunft?“





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