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Aus der Welt der Literatur



2006-11-20
Trost der Religion (John Updike)

John Updikes literarisches Ansehen beruht wohl mehr auf seinen Romanen und Erzählungen als auf den von ihm verfaßten lyrischen Texten. Doch auch unter seinen Gedichten finden sich zahlreiche Beispiele außerordentlicher Sprachmächtigkeit und schriftstellerischer Virtuosität.

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Trost der Religion (John Updike - aus dem Amerikanischen übersetzt -)

Eine Größe paßt allen. Gestalt und Farbe des Gottes
oder des Paradieses sind nicht so wichtig wie dies:
daß einer da ist, wie und wo auch immer,
der das Stoßgebet hört und das Scherflein verbucht,
das die Witwe in den Tempel bringt. Ein Kind,
allein mit schrecklichen Wahrheiten, sehnt sich weinend
nach einer Grenze, einer warmen Wand, von deren
Steinen eine Antwort kommt, wie leise sie auch sein mag.

Seltsam, dies Übertriebene - wer braucht
die achtzehnarmigen schwarzen Kalis, die verstaubten Heiligen,
deren Knochen und blutende Wunden den guten Geschmack
verletzen, die Räucherstäbe, Huris, Buddhas und die Bücher,
die Wort für Wort auf goldnen Tafeln eingeschrieben stehn?
Wir. Wir brauchen mehr Welten. Diese wird vergehn.

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Worterklärungen:

Kali = Durga = hinduistische Göttin, ihr Kult ist von z. T. sexuell geprägten Riten begleitet und durch Darbringung blutiger Tieropfer, früher auch Menschenopfer, gekennzeichnet.
Huri = Paradiesjungfrau im Islam, die im Paradies dem Gläubigen zur Frau gegeben wird.



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