Die faszinierende Welt des Wortes
Aus der Welt der Literatur
Ihr Text
Ihre Favoriten
Top-Ten der Belletristik
Buch des Monats
Kontakt
Links
Autoren-Werkstatt
Kritikus
In eigener Sache
Login



Aus der Welt der Literatur



2006-01-10
Ein letzter Sommer (Steve Tesich, Kein & Aber Verlag, Zürich, ISBN 3-0369-5137-7)

„Das Land, das lange dauert, ehe es untergeht.“ So beschrieb Georg Heym einst auf unvergeßliche Weise das Ende der Jugendzeit, den Übergang in die andere Welt, die der Erwachsenen. In „Ein letzter Sommer“ erlebt Daniel diese unumkehrbare Lebensphase, das Glück, den Schmerz, das Abschiednehmen. Von Freunden, vom Elternhaus, von allem, was vertraut war. Und wissen, daß es für immer ist.

----------------------------------------------------------



Textauszug:

„Ja, Daniel. Und manchmal machen wir Fehler. Was können wir tun? Wir sind Menschen, und wir sind nicht vollkommen. Wir müssen dann Gott bitten, uns zu vergeben. Der Teufel, er haßt es sehr, wenn wir Gott um Vergebung bitten. Das ist wahr.“
Sie bekreuzigte sich und saß kerzengerade, als schauten sowohl Gott als auch der Teufel auf sie, und als wollte sie Gott mit ihrem Glauben und den Teufel mit ihrem Trotz beeindrucken.
Ja, sagte sie, sie hatte gesündigt. Das Fleisch ihres Körpers hatte sie zu der Tür eines anderen Mannes getrieben. Es war wie ein Feuer, das nur von einem anderen Feuer gelöscht werden konnte, und in dieses Feuer war sie gesprungen, ja.
„Dein Vater....“ Sie bekreuzigte sich. „Er liebte mich so sehr. Ich liebte ihn auch, Daniel, aber nicht so sehr wie er mich. Es ist nicht gut, so sehr geliebt zu werden. Ich sage dir jetzt Dinge darüber, wie es ist, eine Frau zu sein, und jede Frau, sie will einen Mann, der sie liebt. Ich bin nicht anders. Aber wenn der Mann zu sehr liebt, wenn der Mann nichts liebt als die Frau, nicht mal Gott, nicht sich selbst, nicht mal seine Seele, wenn der Mann nur die Frau liebt, legt er Ziegelsteine aufeinander, jeden Tag legt er Ziegelsteine aufeinander mit seiner Liebe, jeden Tag bringt er wieder einen Ziegelstein, und jeden Tag sieht die Frau, daß der Mann eine Mauer um sie baut, ein Gefängnis, um sie zu beschützen und zu behalten. So sehr lieben, das ist, als wenn er sie totmacht. Das ist wahr, Daniel. So ist es. Und also die Frau, sie bricht aus dem Gefängnis aus. Sie ist nicht tot. Sie lebt. Also rennt sie zu einem anderen Mann, zu einem Haus, wo sie wieder eine Frau sein kann. Ja, Daniel. Ich bin eine Mutter. ich bin eine Ehefrau. Aber immer bin ich eine Frau. Es ist etwas, was Gott mir gegeben hat, und es ist etwas, was ein Mann lieben kann, aber nie fortnehmen kann.“




<- zurück
Impressum