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Aus der Welt der Literatur



2005-09-11
Goodwin-Sand (Theodor Fontane)

Das Meer und seine Mystik, seine Verklärung, seine Gefahren. Einst gab es das Leben. Und immer nahm es Leben, zu allen Zeiten. Theodor Fontanes Gedicht über den Goodwin-Sand vor Englands Küste, der zum namenlosen Grab für unzählige Schiffe und ihre Besatzungen wurde, hat bis zum heutigen Tag nichts von seiner Beklemmung verloren.

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Das sind die Bänke von Goodwin-Sand,
sie sind nicht Meer, sie sind nicht Land,
sie schieben sich, langsam, satt und schwer,
wie eine Schlange hin und her.

Und die Schiffe, die mit dem Sturm gerungen
und die schäumende Wut der Wellen bezwungen,
und die gefahren über die Welt,
unzertrümmert, unzerschellt,
sie sehen die Heimat, sie sehen das Ziel,
da schiebt sich die Schlange unter den Kiel
und ringelt Schiff und Mannschaft hinab,
zugleich ihr Tod, zugleich ihr Grab.

Die See ist still, die Ebb' ist nah,
Mastspitzen ragen hier und da,
und wo sie ragen in die Luft,
da sind es Kreuze über der Gruft;
ein Kirchhof ist's, halb Meer, halb Land, -
das sind die Bänke von Goodwin-Sand.




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