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Aus der Welt der Literatur



2005-07-01
Spielzeug (Conrad Ferdinand Meyer)

Noch spielen sie, das Mädchen und der Junge,
noch hat sie nicht jenes Verlangen erfaßt, das alles
kindliche Spiel fortan zerstören wird. Doch schon streckt
der Knabe ungestüm die Arme, das Mägdelein erschrickt....

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Liebchen fand ich spielend. Einen Kasten
Hatte sie entdeckt voll längstvergeßnen,
Staubgen Kinderspielzeugs: Mauern, Tore,
Rathaus, Häuser, Häuserchen und Kirche ...
Sie erbaut' das Städtchen mit gelenken
Händen, stellt' den Kirchturm in die Mitte.
Doch ein Häuschen hatt' sie vorbehalten,
Vorbehalten sieben grüne Pappeln
Für ein allerliebstes kleines Landgut.
Nicht zu nah! Im Städtchen klatscht man sündlich.
Nicht zu ferne! Man bedarf der Menschen.
“Eben sind wir eingezogen!“ jubelt'
Sie und klatscht' in ihre kleinen Hände.
In der Wonne des erworbnen Heimes
Riß ich Liebchen an mich so gewaltsam,
Daß den Arm sie streckte wie ertrinkend ...
Was erwischte sie mit schnellen Fingern,
Eng an meine Brust gepreßt? Die Kirche,
Ja die Kirche mit dem roten Dach war's.
Und sie stellt' sie dicht vor unser Landhaus.



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