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Aus der Welt der Literatur



2005-03-11
Beim Hute meiner Mutter (Adelheid Duvanel / Verlag Nagel & Kimche / ISBN 3-312-00332-6)

Nahezu sechzig Kurzgeschichten auf hundertsechzig Seiten, manche kaum mehr als eine Seite lang. Bizarr, skurril, bisweilen vordergründig lebensfremd und nicht wie von dieser Welt. Doch sind sie das wirklich? Wohin öffnen sie unseren Blick, wenn wir sie zu begreifen versuchen?

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Textauszug:

Hermann ist bei den Großeltern in den Ferien; am Abend schlafen sie vor dem Fernsehapparat ein: die Großmutter mit zurückgelegtem, der Großvater mit gesenktem Kopf. Hermanns Mutter besitzt keinen Fernsehapparat; sie hört Radio mit Kopfhörern, während sie liest, immerzu liest. Einmal hat sie ein Blatt Papier genommen und mit blauem Filzstift in großen Buchstaben darauf geschrieben: „Ich will nicht mehr leiden, ich will nur noch überleben.“ und das Papier mit vier Reißnägeln neben ihrem Bett an die Wand geheftet. Einige Wochen später hat sie das Papier entfernt und ein neues angebracht, auf dem stand: „Ich bin ein Mensch aus Fleisch und Blut.“ Aber auch diesen Zettel warf sie wieder fort. Sie hat vom Erben eines Buchantiquars Bücher gekauft; sie lagerten in einer Garage, von wo Hermann und die Mutter sie mit einem Handkarren in die Wohnung brachten. Jeden Samstag verrichteten sie diese mühselige Arbeit, bis die vielen Schachteln mit den staubigen Büchern ein Drittel des Wohnzimmers versperrten.



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