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Aus der Welt der Literatur



2005-01-20
Die Klavierspielerin (Elfriede Jelinek / Rowohlt Taschenbuch Verlag / ISBN 3-499-23166-2)

Was will Elfriede Jelinek mit ihren sexualisierten, drastischen, teilweise pornographischen Texten mitteilen? Daß – im Gegensatz zum Tier – der Mensch ein vom eigenen Willen gesteuertes Wesen ist, das spätestens, wenn die Kleidungsstücke fallen, auch seine Maskerade aus Herkunft, Bildung und Noblesse fallen läßt und in einen im Grunde archaischen, in seiner Körperlichkeit mitunter bizarr und lächerlich anmutenden Kopulationsakt versinkt? Dessen Preis von manchen als der beschämende, schmerzende Verlust der Würde verstanden wird? Fast hat es den Anschein. daß dies ihre gewollte Botschaft sein soll. Doch wer will sie ernstlich hören, wer will von ihr erfahren?

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Textauszug:

Erika hält Walter Klemmer auf die Entfernung ihres Arms von sich ab. Sie holt seinen Schwanz heraus, den er selbst auch schon dafür vorgesehen hatte. Es fehlt nur noch der letzte Kunstgriff, denn das Glied ist bereits vorbereitet. Erleichtert, daß Erika diesen schwierigen Schritt für ihn getan hat, versucht Klemmer, seine Lehrerin auf den Hinterkopf zu stürzen. Nun muß Erika ihm die ganze Schwere ihrer Person entgegensetzen, damit sie aufrecht stehen bleiben kann. Sie hält Klemmer an dessen Glied auf Armlänge ab, während er noch wahllos in ihrem Geschlecht herumfuhrwerkt. Sie bedeutet ihm, damit aufzuhören, weil sie ihn sonst verläßt. Sie muß es etliche Male leise wiederholen, weil ihr plötzlich überlegener Wille nicht so leicht bis zu ihm und seiner rammeligen Wut durchdringt. Sein Kopf scheint vernebelt von zornigen Absichten. Er zögert. Fragt sich, ob er etwas falsch verstanden habe. In der Geschichte der Musik nicht und auch nirgendwo sonst wird der werbenden Mann aus dem Geschehen einfach entlassen. Diese Frau – kein Funken Hingabe. Erika beginnt, die rote Wurzel zwischen ihren Fingern zu kneten. Was für sie gilt, verbietet sie jedoch dem Mann streng. Er darf an ihr nichts mehr unternehmen. Klemmers reine Vernunft gebietet ihm, sich von ihr nicht abschütteln zu lassen, er ist der Reiter, schließlich ist sie das Pferd! Sie unterläßt es sofort, seinen Schwanz zu masturbieren, wenn er nicht aufhört, ihren Unterleib abzugrasen. Ihm kommt die Erkenntnis, daß es mehr Spaß macht, selbst zu empfinden als andere empfinden zu machen, und so gehorcht er. Seine Hand sinkt nach mehreren Fehlversuchen von Erika endgültig herab. Ungläubig betrachtet er sein von ihm losgelöst scheinendes Organ, das sich unter Erikas Händen aufplustert. Erika fordert, er solle sie dabei anschauen, nicht die Größe, die sein Penis erreicht hat. Er soll nicht messen oder mit anderen vergleichen, dieses Maß, das nur für ihn gilt. Ob klein, ob groß, ihr genügt es. Ihm ist das unangenehm. Er hat nichts zu tun, und sie arbeitet an ihm. Umgekehrt wäre es sinnvoller, und so geschieht es auch im Unterricht. Erika hält ihn fern von sich. Ein gähnender Abgrund von etwa siebzehn Zentimetern Schwanz und dazu Erikas Arm und zehn Jahre Altersunterschied tut sich zwischen ihren Leibern auf. Das Laster ist grundsätzlich immer Liebe zum Mißerfolg. Und Erika ist immer auf Erfolg abgerichtet worden, hat ihn jedoch trotzdem nicht errungen.

Klemmer will auf dem zweiten Bildungsweg, und zwar auf verinnerlichtere Weise zu ihr durchdringen und ruft mehrfach ihren Vornamen. Er paddelt mit den Händen in der Luft und wagt sich erneut in verbotenes Gelände, ob sie ihn nicht doch ihren schwarzen Festspielhügel öffnen läßt. Er prophezeit ihr, daß sie, und zwar beide, es noch viel schöner haben könnten, und er erklärt sich schon dazu bereit. Sein Glied zuckt bläulich aufgedunsen. Es schlägt in der Luft herum. Gezwungenermaßen interessiert er sich jetzt mehr für seinen wurmigen Fortsatz als für Erika im gesamten. ......Seine Umrisse sind durch seinen sich vorne brav präsentierenden Penis entstellt, durch diesen Auswuchs, der da treibt und Luftwurzeln schlagen möchte. .......Sie untersucht Farbe und Beschaffenheit von Klemmers Schwanz. Sie setzt ihm die Fingernägel unter die Vorhaut und verbietet Klemmer jeden lauten Laut, sei es aus Freude, sei es aus Schmerz. Erika setzt ihm die Zähne in die Schwanzkrone, der davon noch lange kein Zacken abbricht, doch der Besitzer schreit wild auf. Er wird zur Ruhe gemahnt. Daher flüstert er wie im Theater, daß es jetzt! gleich! geschieht. Erika nimmt das Gerät wieder aus dem Mund und belehrt dessen Besitzer, daß sie ihm in Zukunft alles aufschreiben werde, was er mit ihr anfangen dürfe.



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