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Aus der Welt der Literatur



2004-12-31
Die eine Klage (Karoline von Günderode)

Ist man zunächst versucht, in diesem Gedicht eines von vielen aus der romantischen Epoche zu sehen, so liest man die Verse erneut und dieses Mal mit anderem Empfinden, sobald sich dem Interessierten die Biographie der Autorin erschließt:

Karoline von Günderode (Pseudonym Tian) wurde 1780 in Karlsruhe geboren. In Frankfurt besuchte sie das Adelige Damenstift und befreundete sich 1799 mit Carl von Savigny, der sie in den Kreis der Romantiker einführte. Sie lernte Bettina und Gunda Brentano kennen, die spätere Frau von Savigny und stand in Briefwechsel mit Clemens Brentano. In diesem Kreis traf sie 1804 in Heidelberg den Altphilologen Friedrich Creuzer. Wegen Karoline wollte dieser sich von seiner Frau scheiden lassen, konnte sich aber dann doch nicht dazu entschließen. Im Juni 1806 kam es zum Bruch der Freundschaft mit Bettina Brentano, im Juli trennte sich Creuzer von ihr. Am 26. Juli 1806 ging die junge Frau im Alter von nur 26 Jahren in Winkel im Rheingau in den Freitod.


Nicht der Phantasie, nicht dichterischer Vorstellungswelt entsprangen die Worte, die Zeilen, sondern der namenlosen Pein einer jungen Frau, die am Ende nicht mehr zu leben weiterwußte.

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Wer die tiefste aller Wunden
Hat in Geist und Sinn empfunden,
Bittrer Trennung Schmerz;
Wer geliebt, was er verloren,
Lassen muß, was er erkoren,
Das geliebte Herz:

Der versteht in Lust die Tränen
Und der Liebe ewig Sehnen,
Eins in Zwei zu sein,
Eins im andern sich zu finden,
Daß der Zweiheit Grenzen schwinden
Und des Daseins Pein.

Wer so ganz in Herz und Sinnen
Konnt ein Wesen lieb gewinnen,
Oh! den tröstet´s nicht,
Daß für Freuden, die verloren,
Neue werden neu geboren:
Jene sind´s doch nicht.

Das geliebte, süße Leben,
Dieses Nehmen und dies Geben,
Wort und Sinn und Blick,
Dieses Suchen und dies Finden,
Dieses Denken und Empfinden
Gibt kein Gott zurück.



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