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Angelika Colditz, 03.07.2012
Antwort auf die Forums-Beiträge

Vielen Dank für die hübschen Lorbeeren bezüglich meiner "Ode", aber hätte ich nun als „realisierbaren Vorschlag“ ein griffiges alternatives Wirtschaftskonzept in Balladenform vorlegen müssen, um wirklich überzeugen zu können? Das wäre ungefähr so, wie wenn man von einer Kuh verlangen würde, anstatt Milch zu produzieren (wie es ihren Fähigkeiten entspricht), nun plötzlich Eier zu legen.

Dennoch ein kleiner Tipp am Rande, wie man auch als bescheidener Bundesbürger dazu beitragen kann, kommenden Missständen, gegen die die jetzigen dann harmlos sein werden, vorzubeugen: Es empfiehlt sich die Lektüre des originalen ESM-Vertrages (man findet ihn sehr leicht im Internet); wer danach immer noch der Meinung ist, dieser ESM müsse in Kraft treten, dem ist wohl generell nicht mehr zu helfen oder aber er lebt im Wahn bzw. in der Welt der Finanzoligarchie, denn genau für die ist er gemacht. Man kann sich auch - ebenfalls sehr bequem im Internet - dafür einsetzen, dass es diesbezüglich zu einer Volksabstimmung kommt. Was man nicht mehr kann nach der Lektüre des Vertrages, ist, der zweifelhaften deutschen Tradition zu folgen, man habe „nichts gewusst“.

Angesichts der Entwicklungen sind meine weiteren Ausführungen wahrscheinlich nur eitel bzw. nebensächlich und besonders für jene, die schon jetzt in massiver Existenznot leben, der reinste Luxus. Aber dennoch möchte ich die restliche Antwort nicht schuldig bleiben.

Zu der, wie mir leider vorkommt, genüsslich insistierenden Feststellung, die kritisch schreibende und redende Zunft habe noch nie etwas bewirken können, habe ich folgende Fragen:
Bedeutet das nun a),
dass diese Zunft also besser nie ein Wort geschrieben, nie eines gesagt, sondern von vornherein geschwiegen hätte, weil ihre Produkte sich in ihrer Wirkungslosigkeit als überflüssig erweisen? Freilich legt das in der Folge dann auch den Gedanken nahe, die Vertreter dieser Zunft wären besser nie geboren worden - aber vielleicht lässt sich das ja nachträglich durch eine Selbstentleibung korrigieren.
Das ist nicht mein Zynismus, sondern der, der solchen Feststellungen innewohnt.

Oder sollte man sich b)
nicht vielmehr fragen, warum überhaupt das so ist und wer denn die Klientel ist, bei der sie sich als wirkungslos erweisen? Es sind ja doch nicht alle resistent.
Es liegt doch nicht an der schreibenden und redenden Zunft, wenn die im Grunde bewusstlose Konsumentenhaltung eines bestimmten Publikums sie bestenfalls als Unterhalter auf möglichst hohem Niveau goutieren will, ohne dabei je auf die Idee zu kommen, im Gehörten oder Gelesenen einen Bezug zu sich selbst herzustellen, der dann eben nicht nur Beifall klatschte, sondern eine Selbstreflektion zur Folge hätte und danach eine Veränderung des persönlichen Verhaltens initiieren würde.

Mir ging es bei der Ode darum, aufzuzeigen, dass die äußeren Zwänge eines Finanzsystems bzw. einer Wirtschaftsordnung und eines politischen Gebarens „nur“ das Abbild eines psychischen Zustandes sind. Denn in den allgemeinen Debatten fällt mir auf, dass die Erklärungsmodelle für Entwicklungen, die kaum noch als vernunftgeleitet bezeichnet werden können, auf einer pseudo-rationalen, rein materiellen Ebene abgehandelt werden, die sorgfältig und vollständig ignoriert bzw. verdrängt, dass die wahren Gründe für diese Entwicklungen einer Geisteshaltung geschuldet sind, deren Basis eben diese psychische Verfassung ist.
Sodann wollte ich mit dem Untertitel „Rede einer Frau aus dem niederen Volke“ signalisieren, dass zumindest Teile der sogenannten unteren Bevölkerungsschichten nicht nur begreifen, was Sache ist, sondern auch nicht in jenem Sumpf leben, der auf einer anderen Ebene - nämlich der emotionalen - die Heimat dieser Oligarchen ist. Weh‘ uns also, wenn wir dagegen nicht aufstehen. Dann sind wir Barbaren wie sie.

Vielen Dank für die Aufmerksamkeit und vielleicht gibt es ja noch einmal eine Reaktion darauf - im Forum?? Was mich freuen würde.



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