Die faszinierende Welt des Wortes
Aus der Welt der Literatur
Ihr Text
Ihre Favoriten
Top-Ten der Belletristik
Buch des Monats
Kontakt
Links
Autoren-Werkstatt
Kritikus
In eigener Sache
Login



Ihre Favoriten



uggla, 21.11.2017
Vonne Endlichkait (Günter Grass / dtv 2017 / ISBN 9783423145626)


MUTTI

Es liegt auf allem, was geschieht
und rings in Landschaft Markenzeichen setzt,
nun Mehltau, den kein Regen wäscht.
Schon nimmt Gewöhnung hin, was uns entmündigt,
doch den Verbrauch enorm gesteigert hat.
So wachsen, schrumpfen wir zugleich,
so wurden Bürger brav zu Konsumenten,
die jeden Preis aus ungestillter Lust berappen
und sichs marktkonforme Demokraten
gefügig einer einer Frau ergeben haben,
die heute mürrisch blickt
und morgen gütig lächelt,
den Trug beschwichtigt, der uns lammfromm macht.

Was stören könnte, wird beredt beschwiegen;
sie jedenfalls sagt wortreich nichts.
Wer ihr zu nah kommt, der wird weggebissen
und ist alsdann der Medien Frühstücksfraß.
Rundum ist sie gefangen von Interessen,
die eingeschworen lauern auf Profit
und sie - der Mafia gleich - mit Daumendruck erpressen
Ihr, die wir spaßig unsere Mutti nennen,
sind wir gelenkter Kinderschar,
die manchmal aus der Reihe tanzt.
Dann sind beflissen Büttel ihr zu Diensten,
die ohne Blutvergießen Ordnung schaffen,
besorgt um Ruhe und bewachten Schlaf.
Sie kanns mit jedem, bis er leergemolken
und faltig schlaff am Kleiderbügel hängt.
Jetzt sind sogar die Sozis ihr ins Bett gekrochen,
entlohnt mit trocknem Gnadenbrot.
Geballte Mehrheit, nah dem Größenwahn,
der dummstolz seine Macht bespiegelt.
Schon fällt, wenngleich wie unbedacht,
des abgedankten Kaisers nie vergessnes Wort,
nach Muttis Art leicht abgeschwächt:
Wir können, sind noch nicht,
doch werden sein - bei sparsamen Gebrauch -
kein Pfeffer, nein, wir sind im Handel
als das Salz der Erde.



<- zurück
Impressum