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20.08.2014 Vom literarischen Hochjubeln ...

Da ist gleich zu Beginn, schon in der zweiten Überschrift, vom „großen deutschen Erzähler“ die Rede, unter dem Foto, das gut ein Drittel der Zeitungsseite ausmacht. Ein bißchen fremdelnde Werbung noch am unteren Ende der Seite, ansonsten nur Text über diesen Autor. Der „erzählt die spannendsten und spannungsreichsten Geschichten der deutschen Literatur der Gegenwart“, schwelgt der Rezensent; damit nicht genug, er legt noch eins drauf: „ …. seine Inszenierung dieses Kammerspiels ist genial.“. Und damit spätestens jetzt auch die Letzten die unglaubliche literarische Befähigung des Mannes begreifen, wird ihm noch die Weihe des Phänomens zuteil („ … das ist phänomenal erzählt.“).

Walser? Mosebach? Kehlmann? Genazino? …. nein, keiner davon, auch keiner aus dem Dutzend weiterer Kandidaten, die sich in diesem Kontext geradezu aufdrängen. Nein, die Rede ist von Sherko Fatah. Noch nichts davon gehört? Nicht grämen, es ist gut möglich, auch wenn er inzwischen in der Szene nicht mehr ganz so unbekannt ist. Doch eigentlich ist er bislang eher etwas für Insider, allenfalls zweite oder auch dritte Liga.

Doch nun hat ihn Volker Weidermann von der Sonntagszeitung der FAZ für sich entdeckt, und der gibt sich reichlich Mühe, Sherko Fatah zu befördern, ihn großzuschreiben. Darin hat Weidermann schon einige Erfahrung aufzuweisen, zumindest beim – bislang wohl vergeblichen – Versuch, aus persönlichen Vorlieben und Neigungen heraus seine Leserschaft für bestimmte Autorinnen und Autoren einzunehmen und zu begeistern. Daß er damit seinem Auftrag, als objektiver Feuilletonist seiner Arbeit nachzugehen, einen Bärendienst erweist, ficht ihn offensichtlich nicht an. Kein Wunder also, daß er von vielen Literaturinteressierten inzwischen argwöhnisch betrachtet und seine Artikel und Buchbesprechungen mit großen Vorbehalten zur Kenntnis genommen werden. Er war es schließlich auch, als Beispiel nur, den die „schwimmbadblauen Augen“ einer – natürlich jungen, hübschen – Autorin zu wahren Begeisterungsstürmen hinrissen, unterlegt mit halbseitigem Foto der Angehimmelten im ganzseitigen Bericht.

Im übrigen nichts, aber auch wirklich nichts gegen Sherko Fatah und seine Bücher. Doch die – wodurch auch immer ausgelösten – Weidermannschen Lobpreisungen, wie immer mit Superlativen gespickt, muß er sich doch wohl erst noch verdienen.




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