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Kritikus


17.01.2011 Rechtschreibreform ....... xte Folge ...





Aus einer Traueranzeige in der „FAZ“:

„....wohl versehen mit den Tröstungen unserer heiligen Kirche ....“

(Da läßt sich für den Verblichenen nur innig hoffen, daß der Pfarrer tatsächlich die Gebete sprach und nicht seinen Einkaufszettel vor sich hinmurmelte.)


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Stellenanzeige der DZ Bank in „VR Future“ (Auszug):

„......viel versprechender Bewerber....“

(Schon erstaunlich, welch geringe Anforderungen die Bank an ihre künftigen Mitarbeiter stellt, denn offensichtlich begnügt sie sich vorweg mit deren wortreichen Proklamationen ihres Könnens.)


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Buchbesprechung im Feuilleton der „FAZ“:

„......weil ihm viel näher Stehende es vergeblich ......“

(Und weil sich offenbar auch viel näher Liegende vergeblich bemühen, kommen endlich die – wirklich gemeinten – Näherstehenden zum Zuge.)


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Die Beispiele ließen sich in großer Zahl fortsetzen, und in Abständen wird sich „Kritikus“ wieder einige davon vornehmen. Sie sind überall zu finden, in Zeitungen, Büchern, Katalogen, in allem, was sich der deutschen Schriftsprache bedient.

Die Verursacher des Machwerks, das sich „Rechtschreibreform“ nennt, hat „Kritikus“ festgehalten in seinem Beitrag vom 06.12.2006. Dazu gehört auch der heutige Bundespräsident, der seinerzeit zunächst vehement gegen die Reform antrat und sie entschieden ablehnte, dann jedoch – wie alle ursprünglichen Gegner der Sprachverhunzung – einknickte; von gegenläufigem Abstimmungsverhalten bzw. Minderheitenvoten wurde jedenfalls nichts ruchbar.

Bleiben wir einmal bei Herrn Wulff. Präsident und Präsidentengattin werden als hochherrschaftliches Paar im präsidialen Alltag in der weitläufigen Präsidentenresidenz „Schloß Bellevue“ wohl häufig zusammenkommen und mutmaßlich auch zusammen kommen. Nach der neuen Rechtschreibung gilt – bisher – nur die letzte Variante als regelgerecht, und dem Leser bleibt es vorbehalten, was er sich dazu denkt. Oder dazudenkt? (Nein! Das ist falsch, das ist alte Rechtschreibung.) Vielleicht gilt aber auch für beide nur die Devise: sich wohl fühlen können. Oder doch besser: sich wohlfühlen können? (Nein, geht nicht! Falsch, alte Rechtschreibung.)
„Kritikus“ weiß, daß er hier überzieht, daß er in Polemik abgleitet und bittet um Nachsicht, doch in ihm brodelt es, in ihm gärt es, wenn er das nahezu irreparable Ergebnis der damaligen beratungs- und lernresistenten Akteure und den von ihnen angerichteten Scherbenhaufen betrachtet.

Ob sich Herrn Wulff – und seinen Rechtschreibchaos-Mithelfern – diese sprachlichen Nuancen erschließen? „Kritikus“ hat da so seine leisen Zweifel. Jedenfalls wird Herr Wulff als Bundespräsident in die deutsche Geschichte eingehen, der – in seiner damaligen Eigenschaft als niedersächsischer Ministerpräsident – das mutwillige, durch nichts gerechtfertigte, durch nichts erforderliche Zerstörungswerk an der deutschen Schriftsprache mitzuverantworten hat.

Der sogenannte „Rat für deutsche Rechtschreibung“, den die Kultusministerkonferenz seinerzeit einrichtete und der inzwischen ein ziemlich abgehobenes Eigenleben führt, tagt immer noch und immer wieder, flickt hier ein bißchen, ändert dort etwas, vergrößert im Zweifel das Chaos noch. Die Duden-Redaktion will auch nicht untätig sein, fügt ihre neuen Überlegungen und Eingebungen nach Bedarf hinzu. Die notwendigen Abstimmungen finden nur marginal oder gar nicht statt. Ergebnis (etwas vergröbert): Jeder schreibt – fast – wie er will. Doch man traut seinen Ohren und Augen nicht: Es halten sich tatsächlich Gerüchte, die von deutlichen Hinweisen auf eine Wiederherstellung des „Vorreformstands im Schreibusus“ sprechen. Da hält „Kritikus“ doch den Atem an.



p.s.:
Für den geneigten Leser: „Kritikus“ nahm sich des Themas bisher an mit seinen Beiträgen vom:

24.11.04
03.12.04
21.12.04
22.11.06
06.12.06
07.09.08
09.12.09



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