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13.01.2010 Hobby-Autoren

Abertausende von Hobby-Fußballern, -Tennisspielern, -Golfern, -Seglern und andere von ihren Vorlieben Besessene geben sehr viel Geld für ihre Freizeit-Vergnügungen aus, kämen indes wohl nie auf die Idee, hierfür eine Vergütung, ein Honorar einfordern zu können, gar einen verbrieften Anspruch hierauf zu haben. Natürlich kennen auch sie die Großverdiener ihrer Zunft, doch mit ihnen messen sie sich nicht, wissen zumeist um den Unterschied zwischen Begeisterung und Begabung, zwischen Tatendrang und Talent, akzeptieren ihre vergleichsweise bescheideneren Fähigkeiten und damit die ausbleibende Chance auf das große Geld.

Anders hingegen das Heer der Hobby-Autoren, die in großer Zahl, so scheint´s, vom Glauben beseelt sind, die Welt habe geradezu auf ihr Buch gewartet, weshalb eine adäquate Vergütung ganz selbstverständlich sei. Daß dem nicht so ist, erfahren die meisten von ihnen bald schmerzlich, verbünden sich darob in ihrer Enttäuschung in Foren und Chats gegen die ihnen widerfahrenden Ungerechtigkeiten, lecken sich gegenseitig die Wunden und ergehen sich in Schmähtiraden gegen unseriöse Scheinverlage.

Daß es betrügerische verlagsähnliche Unternehmen gibt, die Schreib- und Publizitätssüchtige nach allen Regeln der Kunst ausnehmen, ist bekannt. Ihnen wird kein ernstzunehmender Beobachter der Szene das Wort reden wollen und keiner, der halbwegs bei Verstand ist, auf den Leim gehen. Doch daß es durchaus seriöse Selbstverlage gibt, mit deren Hilfe es Autoren gegen eine angemessene Kostenerstattung mit ihren Texten in gebundener Form samt ISBN bis in die Buchhandlungen und zu den einschlägigen Internet-Buchversendern schaffen können, wird weniger gern zu Kenntnis genommen. Viel lieber hängt man dem Traumbild vom Autoren-Honorar nach, das sich fast immer als Trugbild erweist. Gerne taucht in diesem Zusammenhang die Floskel auf: „Geld fließt vom Verlag zum Autor, niemals umgekehrt!" Doch sie verschließen die Augen vor der Gewißheit, daß man sich nahezu im Promille-Bereich bewegt beim Abschätzen der Wahrscheinlichkeit, in jenen beschworenen Einbahn-Geldfluß hineinspringen zu können.

Für den Gegenwert eines besseren Single-Urlaubs hingegen könnten die Freizeit-Schriftsteller ihr Buch in einem guten Selbstverlag ohne Wenn und Aber publizieren. Den Preis für die Urlaubsreise entrichten sie ohne großes Murren, und für ein paar andere nicht lebensnotwendige, teure Dinge, von denen am Ende so gut wie nichts bleibt, zumeist ebenfalls. Doch während von der Urlaubsreise vielleicht ein paar Bildchen und Filmchen und Gedankenschnipsel übrigbleiben, ersteht mit dem eigenen Buch immerhin ein Gegenstand mit durchaus längerer Halbwertzeit. Und je mehr sie zur Erstellung des Buches, außer dem Text, beizutragen imstande sind, um so günstiger gestalten sich schließlich die Herstellungskosten. Wie´s dann allerdings um den Vertrieb ihres Werkes, um die Verkaufszahlen bestellt ist, steht auf einem ganz anderen Blatt. Denn dann ist man bei der literarischen Qualität ihres Buches angelangt. Und da sind doch so manche Zweifel erlaubt, betrachtet man nur einmal Stil und Niveau in den entsprechenden Internet-Foren, wo man sich fachlich austauscht. Dann erweisen sich auch die fünfhundert oder tausend Exemplare, die – je nach Art und Umfang des Buches – über die Verkaufstische gehen müssen, um in grüne Zahlen zu kommen, rasch als unüberwindbare Hürde. Doch immerhin gäbe es einen bleibenden Gegenwert. Ein Buch, das eigene.












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