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25.12.2009 Katharina (Hacker), „Alix, Anton und die anderen“

Katharina Hacker ist mit ihrem Verlag zerstritten. Na, Sie wissen schon: Für ihren Roman „Die Habenichtse“ erhielt sie den Deutschen Buchpreis 2006. Das überraschte seinerzeit schon mächtig, selbst Leute aus der Szene, die über rätselhafte Preisverleihungen wahrlich schon genügend im Bilde sind, nicht zuletzt auch den einen oder anderen Mitbewerber, der vorzeitig die Festzeremonie verließ, zu der Hacker es sich nicht nehmen ließ, ihren Säugling gleich mit in die Kameras zu halten.

Nun verläßt sie Suhrkamp, im Hader über ihr jüngstes Buch „Alix, Anton und die anderen“. Da geht´s um allerlei an Reibereien. So beklagt Hacker fehlende Betreuung, ein Lektorat, das ihre Wünsche nicht ausreichend umsetzte, gar eigenmächtig agierte, jammert über fühlbare Geringschätzung. Ein Rosenkrieg, mit feinen Nadeln ausgetragen, bis hin zu Leserbriefspalten, in denen der Cheflektor persönlich die Dinge geradestellt. Er hat natürlich eine andere Sicht der Dinge, reklamiert für sich, erwähntes Werk erst lesbar gemacht, die Aufmachung des Textes erst in eine akzeptable Form gebracht zu haben. Und außerdem sei Hacker wohl hauptsächlich pikiert darüber, daß sie im Verlagskatalog unter 52 Titeln erst an Nr. 4 geführt werde. Sie sehe ihre Wichtigkeit offensichtlich anders als der Verlag.

Auch über die Vertragsmodalitäten des Buches geriet man sich in die Haare. Suhrkamp ließ es sich nicht nehmen, das Buch gegen den erklärten Widerstand der Autorin noch selbst zu verlegen und es nicht an den Nachfolgeverlag S. Fischer abzugeben. Ob das so klug war? Es hagelt inzwischen Verrisse; einer, noch dazu in der „Zeitung für Deutschland“, gipfelte in der Überschrift „Schlimmer geht´s immer“, darauf abzielend, daß Hacker ihren Roman als Fortsetzungsgeschichte angelegt hat.

Worum geht es im neuen Buch? Na, um was wohl? „Trübsalprosa“, schrieb die Kritikerin. Damit ist im Grunde alles gesagt. Bei den „Habenichtsen“ ging es um Generation 30+, nun ist Hacker bei 40+ angekommen. Auch sie haben nichts, keine Kinder, keine Werte, keine Ziele, nicht mal Nachnamen. Und Prosasätze wie: „Die Läden, die vierundzwanzig Stunden geöffnet haben, lassen ihre Leuchtreklamen blinken.“ Judith Hermann läßt grüßen.

Was soll erst werden, wenn´s wirklich schwierig wird in ihrem Autorinnenleben? Wenn sie die Schiene des – der Eindruck will partout nicht weichen – Halb- oder Viertelautobiographischen verlassen und sich, ohne hilfreiche Selbstreflexion, tatsächlich neue Geschichten ausdenken müssen.



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