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17.08.2009 Autoren-Fotos oder der Drang zur Selbstinszenierung

Seitdem die Fotos der Autorinnen und Autoren immer größer werden, nicht selten schon den halben Platz der Rezension für sich beanspruchen, geht es mit der Literatur bergab.

Spötter merken an, daß Judith Hermann ohne ihr seinerzeit allerorten abgebildetes Pelzkragenjäckchen samt melancholischem oder manisch-depressivem oder auch nur nachdenklichem Ferneblick ihr Sommerhaus und die zwei dünnen Bändchen danach nur halb so erfolgreich an die Leute gebracht hätte. Mit solcherart Selbstdarstellung, ob nun durch den Verlag oder selbst betrieben, ist die Neugier auf das wahre Leben, das sich dahinter verbirgt, fast schon zwanghaft geweckt.

Was hat das nun alles mit rezensierten Büchern zu schaffen? Eigentlich so gut wie nichts, es sei denn, der Schluß liegt nahe, daß die Schreibenden über sich selbst schreiben. Dann gäbe es vielleicht noch einen Sinn. Allerdings träte damit deutlich zutage, daß man es allenfalls mit Zweitligisten der Literaturliga zu tun hat. Denn wahre Autoren, das schrieb schon Reich-Ranicki einigen der Szene ins Stammbuch, erkennt man bekanntlich daran, auch oder erst dann zu brillieren, wenn nicht auf ureigenste Selbsterfahrungen und Egotrips zurückgegriffen werden muß, um etwas zu Papier zu bringen, das die Bezeichnung Literatur verdient.

Albtraum aller Literatur-Juroren: Einen Text zu beurteilen, von dem man nicht weiß, wer ihn schrieb. Die hochnotpeinlichen Blamagen, die andere selbsternannte Sachverständige ereilten, zum Beispiel die Spezies der Wein-Päpste, die sich ans Verkosten unbekannter Tropfen wagte, wollen sie sich um alles in der Welt ersparen.


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