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01.08.2008 Bachmann-Preis 2008..........der 32.

Klagenfurt und kein Ende. Nichts und niemand hält die Verantwortlichen davon ab, alljährlich junge Literaten in Schülermanier zum Vorlesewettbewerb antreten zu lassen. Kehlmann klassifizierte die Sache als Autoren-Demütigung, lehnte seinerzeit eine Einladung ab. Und von Reich-Ranicki, im Vorfeld befragt, ob er an den diesjährigen Texten interessiert sei, gab es ein kurzes und bündiges „Nein!“.

Katrin Passig, Preisträgerin des Jahres 2006, die das Ganze damals als Auftragsarbeit angegangen war und das hinterher auch die Öffentlichkeit unverblümt wissen ließ, hatte für den neuerlichen Wettbewerb mit ihrem dubiosen beruflichen Konstrukt „Zentrale Intelligenz Agentur“ quasi einen alternativen Bachmann-Preis ausgelobt, der unter dem vielsagenden Titel „Automatische Literaturkritik“ segelte und dieselben Texte verwertete, die der offiziellen Klagenfurter Jury hinter ihren Oberlehrer-Kathedern vorlagen.

Selten wurde ein Literaturpreis mehr verhöhnt als durch diesen Parallel-Preis, der auch noch mit einem Preisgeld von 500 Euro bedacht war. Bewertet wurden die Texte von Passig & Co nach clownesk bis witzig vorformulierten Kategorien, Kriterien und Merkmalen, nach Plus- und Minuspunkten, und – Donnerwetter! – sogar ein „Lastenausgleich“ wurde eingeräumt.


So gab es zum Beispiel Pluspunkte für:

„Autor ist größenwahnsinnig / erklärt sich im Interview vorab zum Sieger“
„Autor hat einen Beruf außer Autor erlernt“
„Schlampig recherchiert in unwichtigen Dingen“
„Supermarktkassenkompatible Reizwörter im Titel“
„Autor raucht auf der Bühne“


„Lastenausgleich“ erhielten die Probanden bei Erfüllung u. a. der folgenden Eigenschaften:

„Autor ist kein junges Mädchen“
„Autor hat am Leipziger Literaturinstitut studiert“

Die Emanzipation scheint bei den Verfassern noch entwicklungsfähig zu sein, denn von Autorinnen ist durchgängig nicht die Rede, was in diesem Umfeld mehr als erstaunt. Vielleicht ist das aber auch Teil des Spottgesanges.


Negativ zu Buche schlugen dagegen neben zahlreichen weiteren die folgenden Merkmale:

„Hand im Gesicht auf Autorenfoto“
„Widmung (für Doris / Mutter)“
„Unschuldige Frauen“
„Eitle Trinkpausen“


Dann das unglaubliche, das sensationelle Geschehen. Wahnsinn! Der maschinenlesbare Alternativ-Bachmann-Preis entfiel just auf den „richtigen“, von der offiziellen Jury gekürten Bachmann-Preisträger. Und dieser freut sich auf einem Foto im Kreise der zentralen Intelligenzler am allermeisten darüber, sogleich gefolgt von Kathrin Passig, die als einzige zu wissen scheint, was für ein Stück da in Klagenfurt aufgeführt wurde.





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