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15.04.2008 „Feuchtgebiete“ oder auch: Deutsche Literaturszene....................xte Folge........

Verwunderlich daran war nur, daß es so lange gedauert hat, bis endlich Charlotte Roches Roman „Feuchtgebiete“ die literarische Weihe von ziemlich weit oben erteilt wurde. Die Sonntagszeitung der „FAZ“ befaßte sich jüngst ganzseitig mit dem Buch, das innerhalb der ersten vier Wochen nach seinem Erscheinen schon 400 000 mal verkauft wurde, die Bestsellerlisten unverändert dominiert und vermutlich schon bald eine Millionenauflage erreicht haben könnte.

Am Ende ihres Beitrags läßt Ingeborg Harms die Feuilleton-Leser das Folgende wissen, sozusagen als Quintessenz, als Quasi-Ergebnis einer Art wissenschaftlicher Feldforschung:

„Für die frustrierten Idyllen in unseren Köpfen ist Helen ein gefährliches Monstrum, das uns daran erinnert, daß wir nicht sind, wie wir uns geben. Charlotte Roche ist sprachlich etwas fast Unmögliches gelungen. Sie versöhnt uns mit dem Beschämenden, bei dem alle Verführung anfängt. Indem ihr kaltblütiger Seiltanz den grotesken Leib begnadigt, erlöst er die Erotik aus der Verfallenheit ans vollkommene Bild. ‚Feuchtgebiete’ ermächtigt zum Spiel mit der individuellen Versehrtheit und ermutigt den kunstlosen Sexus, endlich erwachsen zu werden.“

„Donnerwetter!“ ruft da Kritikus aus. Das hat etwas! Wenn er sich beispielhaft an bisherige Textauszüge und Rezensionen, die zu diesem Buch über das Land hereingebrochen sind, richtig erinnert, riecht und schmeckt – und trinkt auch oder ißt – Roches Protagonistin so gut wie alles, was aus den verschiedenen menschlichen Körperöffnungen gemeinhin herauszudringen beliebt, hinterlegt überall ihre gebrauchten Tampons, verschmiert öffentliche Toilettenschüsseln mit ihren Sekreten und Analausscheidungen, kratzt getrocknetes Sperma mit den Fingernägeln zum alsbaldigen Verzehr von was auch immer ab und träumt unter anderem von vier verschiedenen Spermasorten im Mund und auf einer Pizza namens „Vierjahreszeiten“, verstreicht sich an den Schläfen ihr Scheidensekret, um Männer anzulocken.

Dazu noch eine Passage aus Harms´ besagter Deutung und Interpretation des Werkes:

„Was einen Ort in der Sprache hat, wird nicht länger verdrängt und muß nicht provozierend demonstriert werden. In diesem Sinne schafft Roches Roman die Grundlage für ein weibliches Selbstbild, in das die Differenz zwischen intimer Wirklichkeit und öffentlicher Inszenierung ganz selbstverständlich eingespeist ist und souverän verwaltet werden kann.“

Vielleicht sollte Frau Harms doch etwas intensiver noch recherchieren. Sie würde alsbald feststellen, daß Menschen zur sexuellen Lustbefriedigung noch unglaublich viele andere Perversionen und Abartigkeiten herausfanden, diese praktizieren und auch darüber schrieben und schreiben, Männer gleichermaßen wie Frauen. Nur kam bislang keiner auf die Idee, hierbei von Befreiung und Emanzipation zu sprechen, erst recht nicht von Literatur.


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