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Kritikus


03.02.2007 Grass ..........xte. Folge

Kritikus war nie davon überzeugt, daß mit dem Alter die Weisheit kommt. Grass bemüht sich redlich nach Kräften, ihn in dieser Einschätzung nicht wankelmütig werden zu lassen.
Der Dichter hat inzwischen gerichtlich erstritten, daß die „Frankfurter Allgemeine“ zwei ihn kompromittierende Briefe nicht mehr abdrucken darf. In diesen Briefen erteilte er 1969 und 1970 seinem Parteifreund Schiller moralisch unterlegte Ratschläge, sich endlich seiner NS-Vergangenheit zu stellen und damit die Öffentlichkeit zu suchen. Seine eigene Waffen-SS-Mitgliedschaft verschwieg er bekanntlich bis vor wenigen Monaten.

Die Richter hoben indes bei ihrem Publizierungsverbot lediglich darauf ab, daß diese Briefe dem Urheberrecht des Schriftstellers unterliegen und nur mit seiner Genehmigung veröffentlicht werden dürfen.

Nun ist aber der Geist schon seit geraumer Zeit aus der Flasche; die Briefe wurden im September 2006 von der „FAZ“ abgedruckt. Es bleibt Grass´ Geheimnis, was er mit der späten gerichtlichen Verfügung erreichen will. Ob er glaubt, daß mit dem – zu späten – Veröffentlichungsverbot seine Seele wieder unbefleckt wird? Wer seine aufschlußreichen Appelle an den Parteifreund lesen wollte, hat dies getan und sich seinen weiteren Reim darauf und auf die Wesenszüge des Autors gemacht.

Nach alledem muß befürchtet werden, daß der betagte Herr aus Lübeck uns noch eine Weile mit weiteren Kapriolen seiner ureigenen Form der Vergangenheitsbewältigung unterhalten wird. Nur scheint ihm dabei die Einsicht völlig abhanden zu kommen, daß ihn – bis auf sein unkritisches Umfeld – inzwischen kaum mehr jemand ernstnimmt.


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