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01.10.2006 Rechtschreibreform .............. xte. Folge ....

Vor wenigen Tagen – eher beiläufig – wurde bekannt, daß der „Rat für deutsche Rechtschreibung“ – beauftragt mit der Reform der Reform – offenbar seine Arbeit endgültig eingestellt hat. Das klang vor einem Jahr noch anders. Damals verkündete der Vorsitzende des Rates, der ehemalige bayerische Kultusminister Zehetmair, daß der Rat es sich nicht nehmen ließe, die – höchstumstrittene – Rechtschreibreform weiterhin zu überarbeiten und von ihren gröbsten Ungereimtheiten zu befreien. Hierzu muß man wissen, daß Zehetmair – im Kreise seiner Kultusministerkollegen – selbst maßgeblich am Zustandekommen des unsäglichen, dilettantischen, blamablen Stückwerks namens Rechtschreibreform beteiligt war.

Überraschend betrachtet nunmehr der Rat die Überarbeitung der Reform als abgeschlossen, weitere Änderungen seien nicht mehr geplant. Dabei hatte das Gremium erst gut die Hälfte der Reformbereiche unter die Lupe genommen und einige der kuriosesten Neuerungen eliminiert.

Damit stiehlt man sich nun beinahe klammheimlich aus der angerichteten Trümmerlandschaft davon und versteigt sich abschließend noch zu der Empfehlung, es bei den zugelassenen „Varianten“ zu belassen. Wobei „Varianten“ nichts anderes bedeutet als: jeder schreibt wie er will. Zuvor empörte sich der Rat noch darüber, daß die Dudenredaktion – das maßgeblichste Sprachorgan im Lande – dem Variantenreichtum in einer Reihe von Fällen eigenmächtig ein Ende gesetzt und nur eine Schreibweise in seine Rechtschreibbücher aufgenommen hat; dies offenbar in richtiger Einschätzung – sprich: Geringschätzung – des Rates und der Kompetenz der in ihm versammelten Mitglieder.

Das ganze Ausmaß des Chaos, das mutwillig - an Spielkinder erinnernd – herbeigeführt wurde, wird deutlich am Verhalten der renommiertesten deutschsprachigen Nachrichtenagentur „dpa“, die bis zum Jahresende nun eine „Hausorthographie“ entwickeln will: die meisten ihrer Kunden – u. a. alle wesentlichen Zeitungen – erklärten sich bereits für die weitere Anwendung der bewährten, sprich: alten Rechtschreibung.

Wer hält nun die Namen all derjenigen fest, die an dieser unerträglichen, irreparablen Beschädigung der deutschen Schriftsprache beteiligt waren? Wir sollten sie nicht so einfach in die Anonymität entlassen, auch wenn sie sich nun, da sie ihr Spielzeug zerbrochen und offenbar die Lust an ihm verloren haben, aus dem Staub zu machen beginnen.



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