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Buch des Monats


Hier stellen wir Ihnen "Das Buch des Monats" vor. Die Auswahl erhebt keinen Anspruch auf Allgemeingültigkeit, sie orientiert sich auch nicht an den gängigen Publikationen über die aktuelle literarische Szene, sondern spiegelt einzig und allein die subjektive Meinung und das Literaturverständnis der Redaktion wider.

Wir werden uns zwar immer alle erdenkliche Mühe bei unserer Auswahl geben. Gleichwohl können wir nicht ausschließen, daß unser ausgesuchtes Buch des Monats nicht immer ungeteilten Beifall findet. Doch dieses Risiko wollen wir in Kauf nehmen.




Das Buch des Monats Februar 2011
Titel: Die stille Gewalt der Träume
Autor(en): K. Sello Duiker
Verlag: Das Wunderhorn, Heidelberg (527 S. / € 26,80)
ISBN-Nr.: 978-3884233399

K. (Kabelo) „Sello“ Duiker (13. April 1974 - 19. Januar 2005) liefert in seinem zweiten Roman, der gleichzeitig sein letzter sein sollte, eine schonungslose Zustandsbeschreibung der südafrikanischen Gesellschaft, wie sie seine Generation erlebt. Der Roman erschien 2002, machte den Autor weit über sein Heimatland hinaus bekannt, wurde gefeiert und ausgezeichnet, brachte Duiker unter anderem ein Literaturstipendium ein. 2010 wurde das Buch endlich ins Deutsche übersetzt.

Die Überwindung der Apartheid versprach die Wende zum Besseren, kündete von einem Neuanfang für die geschundenen Menschen. Doch die Realität sieht anders aus, und das verzweifelte Credo des Autors lautet übersetzt, eine aktuelle Botschaft aus deutschem Munde übernehmend: „Nichts ist gut in Südafrika“.
Arbeitslosigkeit, Korruption, wachsende Armut auf der einen, ungebrochene Bereicherung der Privilegierten auf der anderen Seite, überbordende Kriminalität, ein marodes Gesundheitssystem, die grassierende Aids-Seuche bestimmen den Alltag, die Hoffnung der Menschen versinkt in Agonie, das Nach-Mandela-Land findet nicht zu sich selbst, kommt nicht zur Ruhe. Ein idealer Nährboden für Gewalt, besonders für die sexualisierte, in die Duikers junger Protagonist Tshepo gerät, sein Studium abbricht, am Ende ins Drogen- und Homosexuellenmilieu abgleitet, sich dort prostituiert, vornehmlich Weiße bedient, die Welt der Sexualität anstelle der anderen Welt für sich entdeckt, die ihm keine erstrebenswerten Alternativen zu bieten scheint.

Daß auch dort das Glück nicht zu finden ist, daß auf diese Weise dem Leben kein Sinn abzugewinnen ist, wissen sie alle, die es dahin verschlägt. „Vielleicht gibt es uns, damit wir die Welt daran erinnern, daß das Leben nicht unschuldig ist, daß es eine Hure ist, eine Nymphomanin, die das Risiko liebt“, läßt Duiker Tshepos Lieblingskollegen Sebastian sagen.

Am 19. Januar 2005 brachte K. „Sello“ Duiker, der in Soweto geboren wurde und Journalistik und Kunstgeschichte studierte, sich um. Eine der großen Hoffnungen schwarzafrikanischer Literatur, eine ihrer eindrucksvollsten jungen Stimmen verstummte für immer.




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Hinweis:
Vorherige "Bücher des Monats" können Sie weiterhin in unserem Archiv einsehen.




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